Schüler aus dem Leistungs-Hamsterrad herausholen

Worum es geht: Eltern, welche Fragen stellt ihr euren Kindern, wenn sie  nach einem langen Tag nach Hause kommen? Ist da ein Trend zu entdecken? Kann es sein, dass die Fragen sich mit ihren Leistungen beschäftigen? »Was für eine Note hast du bekommen?« »Wie war die Präsentation?« »Habt ihr eine Arbeit geschrieben?« »Hast du dich beworben?«… Weil wir oft genau diese Fragen stellen, lernen unsere Kinder, dass ihre Leistung und ihr Erfolg das wichtigste sind: Und zwar nicht nur für die Welt, auf die wir sie vorbereiten, sondern auch für uns als ihre Vorbilder.

Ja, die Welt ist hart: Die gut bezahlten Jobs sind umkämpft. Unsere Kinder stehen in der Gefahr, Güte und Freundlichkeit mit Schwäche gleichzusetzen. Wenn sie sich die Zeit nehmen, sich um andere zu kümmern oder großzügig zu sein, verpassen sie Chancen um weiterzukommen. Oder sie kommen zu dem Schluss, dass man nicht beides gleichzeitig kann: mit Anderen teilen und lernen »Nein« zu sagen.

Das sind die Botschaften die wir ihnen täglich vermitteln: Auch wenn viele sagen, dass es ein wichtiges Erziehungsziel ist, Kinder zum Fürsorglich-Sein zu erziehen, sagen Studien etwas Anderes. Eine Studie ergab, dass 80 % der jugendlichen Teilnehmer der Meinung waren, dass »ihre Eltern mehr über Leistung oder Glücksgefühle besorgt sind als darum, dass sie sich um andere kümmern.« Oder, wie es dieser Autor formuliert: »Kinder lernen was Erwachsenen wichtig ist, indem sie darauf achten was ihnen wichtig ist. Und nicht indem sie auf das hören, was sie sagen.«

Es scheint, wir müssen unsere Aufmerksamkeit bewusst verschieben: Ein einfacher Ansatz besteht darin, neue Fragen zu stellen: »Wie hast du heute mit anderen geteilt?« »Hast du jemandem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert?« »Wer war heute besonders freundlich zu anderen? Woran hast du das gemerkt?«

Ich habe das Experiment mit meinen Kids gestartet: Zuerst kann es sein, dass du nur verwirrte Blicke oder ein »ich weiß nicht« bekommst. Aber irgendwann werden sie bessere Antworten haben, weil sie ihre Aufmerksamkeit darauf richten werden, wie sie anderen liebevoll begegnen können.

Warum das Ganze? Freundlichkeit, Großzügigkeit und Liebe zu zeigen ist nicht immer einfach, und es bringt oft auch keinen sofortigen Erfolg. Tatsächlich kann Freundlichkeit oft unser Ansehen oder unsere Zukunftsperspektiven beeinträchtigen. Wir müssen unseren Kindern vorleben, dass »wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat« (1. Johannes 4,19) und dass unsere Hauptaufgabe im Leben Jesus Christus nachzuahmen ist, unabhängig vom Ergebnis. Wenn wir anfangen, auf Freundlichkeit bei unseren Kindern zu achten und diese zu loben, wird das eine große Auswirkung auf sie haben. Wie der Autor Henry James einmal sagte: »Drei Dinge im menschlichen Leben sind wichtig: Das Erste ist, freundlich zu sein; das Zweite ist freundlich zu sein; und das Dritte ist, freundlich zu sein.«


Add a comment