Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 135] Thomas

Hallo!
In dieser JLM hab ich was ganz Besonderes:
Thomas Gröger, einer der Leser der JLM hat mir vor einiger Zeit eine kurze Mail geschrieben, dass er in seinem Leben Heftiges durchmachen musste. Ich hab ihn gebeten, mir seine Geschichte aufzuschreiben. Eine spannende und gleichzeitig heftige Geschichte von Krankheit und Leid – aber auch Bewahrung und Durchtragen von Gott.
Thomas sitzt im Rollstuhl – und seine Geschichte ist ein Zeugnis dafür, dass Gott heute noch Wunder tut.

Ich wünsche dir, dass dieser allmächtige Gott, der Thomas durchgetragen hat, auch dein Leben trägt leitet und führt. Durch Höhen und Tiefen.
Gott segne dich!
Stephan

P.S. Danke Thomas, dass ich hier deine Geschichte veröffentlichen darf ;-)

1. Ein Wort zur Ermutigung

Denn da bin ich ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten, weder Himmel noch Hölle oder sonst irgend etwas können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, bewiesen hat.
Römer 8,38

2. Thomas

Am 05.02.1980 wird Thomas als gesundes Kind geboren. Er wächst in der DDR auf und flieht mit seinen Eltern vor der Grenzöffnung 1989 in den Westen.

Und dann kommt Ostern 1991.
Der 11-jährige Thomas ist gerade bei seinen Großeltern, als es ihm an einem Morgen schwindelig wird und er mit Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen hat. Schnell wird er nach Hause zu den Eltern gebracht, wo er einige Zeit mit Kopfschmerzen im Bett liegt.
Die Eltern entschließen sich schließlich, mit dem Jungen zum Arzt zu fahren. Auf der Fahrt dorthin kommt es zu einer Blutung im Kopf. Im Krankenhaus fällt Thomas ins Koma und kurz darauf diagnostizieren die Ärzte den klinischen Tod. Dadurch, dass er mit Sauerstoff versorgt wird, bleibt trotzdem das Gedächtnis erhalten. Eilig wird der Junge nach Frankfurt gebracht, wo er notoperiert wird. Der Operation folgen drei Monate im Koma mit künstlicher Ernährung und Beatmung.

Die Ärzte bereiten die Eltern darauf vor, dass ihr Sohn ein schwerer Pflegefall und auch schwer geistig behindert sein wird. Als Thomas bei einer lustigen Kinder-Geschichte, die ihm seine Eltern vorlesen, den Mund verzieht, meinen die Ärzte, dass es nur Zuckungen sind. Einige Zeit später beginnt er per Augenzwinkern auf Fragen und Bemerkungen zu antworten.

Stück für Stück - in einem langwierigen Prozess - fängt Thomas wieder an zu kommunizieren. Zunächst mit einer Buchstabentafel. Später mit einem Laptop mit überdimensionalen Tasten.
Thomas schreibt selbst: „Besuche waren mir wichtig, besonders auch im Koma. Obwohl viele meinten, ich bekäme nichts mit, aber das stimmte nicht, ich konnte es nur nicht zeigen.“

Nur mit großen Anstrengungen lernt er statt flüssiger Nahrung feste Nahrung zu sich zu nehmen. Vor allem, als er die sonntäglichen Frühstückseier wieder essen kann, ist er überglücklich. Er meint dazu: „Jedenfalls war ich vor der Behinderung ein großer Mäkler, doch nun esse ich alles, was ich kann. Achte dabei aber stark auf mein Gewicht, denn ich will ja auch noch wieder laufen lernen.“

Aber er erlebt auch manche Schwierigkeiten. Er schreibt: „Nun musste ich feststellen, dass einige meiner früheren Freunde mit der Behinderung nicht klar kamen und mich verließen.“

Doch Thomas lässt sich nicht unterkriegen. Er kommt zur Berufsausbildung nach Bad Arolsen in das Berufs-Bildungs-Werk Nordhessen und macht dort seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. In der Zeit in Bad Arolsen nimmt er an einem Internetkurs teil und absolviert eine Microsoft Prüfung über Word. Leider bekommt er aufgrund seiner verlangsamten Arbeitsweise keine Stelle.

Die Jugendgruppe in Uttrichshausen wird für ihn ein intensiver und guter Freundeskreis.
Thomas erzählt: „Wir machen die verrücktesten Sachen in der Jugendgruppe. Wir fahren nun zusammen auf Freizeiten, Geburtstage, ins Kino, zu Konzerten und so weiter. Daheim treffen wir uns jeden Samstag zur Jugendstunde und im Juli 2007 waren wir wieder Zelten bei „Freakstock“ auf dem Boxberg. Nun waren wir im September auf dem Jugendtreffen PLUS in Marburg, dort trifft man immer viele Bekannte und bekommt tolle Impulse für das Gemeindeleben. Außerdem wahren wir jetzt zum Christival in Bremen, dort habe ich meinem Freund aus der Reha getroffen und wir haben sogar in einem Massenquartier bei Friedehorst in Lesum geschlafen.“
Und er übernimmt auch Verantwortung in seiner Jugendgruppe: Inzwischen ist er der Kassenwart der Jugendarbeit dort.

Soweit die Geschichte von Thomas.
Sein ausführlicher Lebensbericht mit Bildern findest du unter http://www.jubu-online.de/cms/index.php?option=com_content&task=blogsection&id=6&Itemid=75
Wer Thomas mal ne Mail schreiben will: Thomas@GroegerWeb.de

Eine Frage zum Nachdenken:
Ich selbst bin über dieser Geschichte von Thomas sehr ins Nachdenken geraten über mein Leben. Dass ich viele Dinge so selbstverständlich nehme.
Deshalb:
Wie dankbar bist du über das, was dir oft so selbstverständlich ist (Gesundheit, Essen, etc.)?

3. Tipp für die Praxis

Deborah Henschke – JLM-Leserin aus Schwabach hat diesen Link für euch gefunden:
http://www.lobpreissuche.de
Es ist eine Homepage, auf der man Lieder in Liederbüchern suchen kann, indem man den Titel eingibt. Geht bestimmt schneller, als manuell und es sind viele Liederbücher erfasst – vielleicht eine Hilfe für die gestressten Lobpreis-Band-Leiter unter uns ;-)
Viele Grüße,
Deborah

4. Echt witzig

Gesangbuch-Lieder für lange Autofahrten:

  • Tempo 100: Lied 388: „In Gottes Namen fahren wir“
  • Tempo 150: Lied 326: „Ich bin ein Gast auf Erden“
  • Tempo 180: Lied 312: „O Welt, ich muss dich lassen“
  • Tempo 220: Lied 566: „Es ist genug“

Feedback zu dieser Jugendleitermail?
Beantworte einfach diese Mail – es wird dann direkt zu mir weitergeleitet ;-)
Oder schreib an s.muench(at)ec-bayern.de
Ich freu mich über Rückmeldungen.

Stephan Münch / EC Bayern

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