Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 140] Wer bin ich wenn mich keiner sieht?

Hi!
Vor kurzem war ich in einem Jugendkreis und hab eine Andacht gehalten. Die Jungs und Mädels waren voll aufgedreht und irgendwie unaufmerksam. Irgendwie kam es mir so vor, als würde einer dem anderen was beweisen wollen.
Ich hab dann eisern an meinem Konzept festgehalten und durchgezogen. Ich wollte halt auch beweisen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse.
Ich glaube, es wäre besser gewesen, mal das Konzept wegzulegen und ehrlich zu werden. Über Ängste und Zweifel zu reden, darüber zu reden, was hinter der Fassade steckt – auch hinter meiner eigenen.

Wie schwer ist es, mal ehrlich zu sagen, was wirklich in einem steckt. Die Masken fallen zu lassen. Offen zu werden. Zumindest mal vor Gott und vor sich selbst.
Darum geht es in der heutigen JLM.

Ich wünsch dir Gottes fetten Segen für dich und deine Beziehung zu Gott. Dass du ehrlich und offen sein kannst vor IHM. Mit allen Fehlern und Schwächen. Und auch vor dir selbst.
Der Allmächtige segne dich

Dein
Stephan

1. Ein Wort zur Ermutigung

Jesus sah ihn [den jungen, reichen Mann] an und liebte ihn (Markus 10,21)

2. Wer bin ich wenn mich keiner sieht?

Wer bin ich eigentlich?

Bei meinem Vorgesetzten möchte ich als dynamischer und ideenreicher Arbeitnehmer gelten.
In meiner Gemeinde will ich als guter und vorbildlicher Christ bekannt sein.
In meiner Nachbarschaft bin ich der nette und gute gelaunte Nachbar, der auch mal Zeit für ein paar Worte über den Gartenzaun hat.
Im Jugendkreis möchte ich, dass mich die anderen für witzig, tiefgründig und motivierend halten.

Aber:
Wer bin ich wirklich?
Wer bin ich, wenn mich keiner sieht?

Und wenn ich ehrlich bin, dann entdecke ich unter der äußeren Fassade viele Eigenschaften, die mich erschrecken:
Ich bin manchmal richtig neidisch auf andere, die besser sind als ich.
Ich kann mich nicht immer so gut beherrschen, wie ich mir das wünsche.
Wenn ich allein im Auto sitze und es eilig habe, dann verhalte ich mich manchmal nicht besonders christlich.
Wenn ich alleine in meinem Büro sitze und der Berg Arbeit auf mich zurollt – dann ist nur noch wenig zu sehen von dem Menschen, der ich gerne sein würde.

Und dann gibt es noch einige Eigenschaften, die ich hier lieber nicht aufzählen will …

Wer bin ich, wenn mich keiner sieht?
Erwartet Gott nicht von mir, dass ich liebevoll, treu, engagiert und zuvorkommend bin?
Wünscht er sich nicht, dass ich immer mehr so werde wie Jesus?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar:
Gott erwartet nicht von mir, dass wir immer treu, vorbildlich, gut gelaunt und nett sind.
Er weiß das ganz genau, dass ich das oft nicht schaffe. Und wünscht er sich nicht, dass ich ihm ehrlich sagen, wer ich wirklich bin?

Darf ich nicht mit allen Kämpfen, mit aller Verzweiflung, mit allen Nöten und Ängsten vor Jesus hinstellen und sagen: „So bin ich. Mit hellen und dunklen Seiten. Mit Augenblicken voller Glück und Zufriedenheit und Augenblicken voller Verzweiflung. So bin ich.“
Und schaut mir dann Jesus nicht ganz tief in die Augen und sagt: Ich liebe dich – so wie du bist. Gerade, weil du neidisch, unbeherrscht oder lieblos bist – gerade deshalb bin ich doch in deine Welt gekommen und bin am Kreuz gestorben – weil ich dich liebe.
So – so verbogen wie du bist – liebe ich dich.
Ich glaube daran, dass Jesus so ist.
Und dass er mich kennt und trotzdem liebt.

„Herr ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.“

3. Tipp für die Praxis

Matthias Ziegler aus Reichelsdorf hat einen Tipp, wo man günstig drucken lassen kann:
z. B. 250 Visitenkarten Gratis (Versandkosten: 6,50 Euro – Versand innerhalb von 21 Tagen, die Post kam aber schon nach 5 Tagen)
Möglicher Flyer für Jugendgottesdienst o.ä.
Es gab auch schon Gratis Postkarten als Aktion.
www.vistaprint.de

4. Echt witzig

Und hier ein Witz von Jens aus dem kalten Hof (in Bayern ganz oben)

Ein Junge hatte Bonbons genascht, und seine Mutter hatte ihn erwischt. Da sie eine fromme Frau war und ihre Kinder religiös erzogen hatte, verwickelte sie ihren Sohn in folgendes Gespräch:
‚Aber Junge, weisst du denn nicht, dass der liebe Gott dich immer sieht und alles beobachtet, was du tust!‘
‚Sicher Mama, das weiss ich.‘
‚Dann ist dir ja auch klar, dass er dich eben in der Küche gesehen hat!‘
‚Natürlich hat er mir zugesehen!‘
‚Und was hat er wohl gesagt, als er sehen musste, wie du genascht hast?‘
‚Nun, er hat gesagt: Mein Lieber, du und ich, wir sind gerade allein hier in der Küche; nimm ruhig zwei Bonbons!‘


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Stephan Münch / EC Bayern

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