Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 158] Ich muss verrückt sein

Hi!
Verrückt.
Ein christlich sozialisierter junger Mann steigt aus, handelt anders, lebt wie Jesus.
Das ist die Geschichte von Shane Clairborne, die mich persönlich sehr herausgefordert hat.
Dazu heute der erste Teil der Geschichte …

Ich wünsche dir, dass du deine Augen offen halten kannst für die Nöte dieser Zeit.
Gott, der Allmächtige gibt dir und mir die Kraft, diesen Nöten zu begegnen – dort wo du bist.

Und unsere Jugendarbeiten sind Zentren, in denen diesen Nöten begegnet werden kann – zumindest im Kleinen.

Gottes Segen dir!
Dein
Stephan

1. Ein Wort zur Ermutigung

Einige Schriftgelehrte fragten seine Jünger: «Wie kann sich euer Jesus bloß mit solchem Gesindel
einlassen!» Als Jesus das hörte, antwortete er ihnen: «Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Meine Aufgabe ist es, Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die Gott bereits kennen.»
Markus 2,16+17

2. Ich muss verrückt sein

„Man hat mir beigebracht, was ein Christ glaubt.
Aber niemand hat mir gezeigt, wie man als Christ lebt!“

Shane Clairborne wuchs in einer superchristlichen Umgebung auf. Praktisch seine gesamte Freizeit verbrachte er mit anderen Christen. Er schreibt:
„Ich hab gedacht, ich müsste vielleicht mehr Dinge kaufen, mehr christliche Dinge. Ich habe Bücher gekauft, Andachten, T-Shirts. Ich bekam eine weit verbreitete Krankheit, von der die abendländische Christenheit mit ziemlicher Regelmäßigkeit heimgesucht wird. Ich nenne sie geistliche Bulimie. Ich hatte die komplette Angebotspalette des christlich-industriellen Komplexes in mich hineingestopft, doch geistlich verhungerte ich.“


Shane fängt an, die Geschichten von Jesus zu lesen, wie sie wirklich drin stehen. Dass Jesus total verrückte Sachen gemacht hat: Dass er über das Wasser gelaufen, Wasser zu Wein verwandelt, Dreck und Spucke auf die Augen des Blinden geschmiert hat, usw.
Und dass Jesus mitten zwischen Betrügern, Prostituierten und Revoluzzern sitzt statt bei den Frommen.

„Je länger ich das Evangelium las, desto mehr geriet alles durcheinander. Alles, woran ich glaubte, wurde auf den Kopf gestellt. Ich bin immer noch dabei, von meiner Bekehrung zu genesen.“

Shane zieht aus der wohlbehüteten Umgebung nach Philadelphia, um dort in einem christlichen College zu studieren. Aber auch in dem College erlebt er nicht diesen „radikalen Jesus“, den er in der Bibel gefunden hatte. Deshalb geht er nach einiger Zeit regelmäßig mit ein paar anderen Studenten unter die Brücken Philadelphias, um Obdachlose zu besuchen. Es dauert nicht lange und die Studenten übernachten immer mal wieder bei ihren neuen Freunden. Shane erzählt: „Ich habe einige der unglaublichsten Leute kennen gelernt, die mir je begegnet sind. Wir blieben die ganze Nach auf, um uns gegenseitig unsere Lebensgeschichten zu erzählen. Es wurde immer schwieriger, in unsere gemütlichen Zimmer zurückzukehren und unsere Nächsten in ihren Pappkartons zurück zu lassen (und in Seminaren zum Neuen Testamten darüber zu reden, ‚unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst‘).“

Eines Tages kommt einer der Mitstudenten Shanes zum Essen und wirft die Zeitung auf den Tisch: „40 obdachlose Familien suchen Asyl in einer leerstehenden Kirche. Diese sollte jetzt innerhalb 48 Stunden durch die Kirchenleitung zwangsgeräumt werden“.
Er fährt mit einigen Leuten hin und sie reden mit den Familien. Am nächsten Tag rufen sie die Studenten des Colleges zusammen und fahren mit mehreren Autos zu der alten Kirche, um den Obdachlosen beizustehen. Durch die Studenten in der Kirche wird die Lage für die Kirchenleitung umso schwieriger. Presse und Schaulustige sammeln sich vor der Kirche.

[Wie es weiter geht erfährst du in der nächsten JLM – oder im Buch von Shane Clairborne: Ich muss verrückt sein, so zu leben]

Eine Frage persönlich an dich:
Versuche mal fünf Personen in deinem Bekanntenkreis aufzuzählen, die wirklich Hilfe brauchen. Menschen, zu denen Jesus gegangen wäre, um ihnen zu helfen.

3. Tipp für die Praxis

Gestern wurde der Armutsatlas vom Paritätischen Gesamtverband in Deutschland veröffentlicht.
Es ist erschreckend zu sehen, wie in manchen Gegenden 25% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze (ca. 670 Euro / Monat) leben müssen.

Auch in Emskirchen (dort wo ich wohne) ist mehr als jeder zehnte unter dieser Grenze … und das ist schon einer der besten Werte in Deutschland.

Mehr unter http://www.armutsatlas.de/
Klick mal auf die Karte und gib deine Postleitzahl ein …

4. Echt witzig

Wenn du mal was witziges sehen willst ohne viel Inhalt – aber echt gut gemacht:
http://www.myvideo.de/watch/142388/Land_der_Berge_Wilderer

Manchmal braucht mal so was halt …


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Schreib an mich (s.muench@ec-bayern.de)
oder einfach auf diese Mail antworten – ich bekomme sie direkt zugeschickt.

Stephan Münch – EC-Bayern

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