Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 209] Helden des Alltags

Hallo!

Sehnst du auch die Ferien herbei – so wie ich?
Ich freu mich jetzt auf eine Woche Teenfreizeit – aber vor allem auf drei Wochen Urlaub mit der Familie.
Manchmal ist es gut, einfach mal auszusteigen für ein paar Wochen. Raus aus der Kinder- und Jugendarbeit. Nichts sehen, nichts hören. Einfach nur mal auftanken. Das braucht man auch mal.

Das wünsch ich dir, dass du das in diesem Sommer kannst.
Und falls die Ferien schon hinter dir liegen sollten (weil du nicht aus Bayern kommst) – dann hoffe ich, dass du dich gut erholt hast.

Die nächste JLM wird es dann am 15.09.2010 geben.
Bis dahin ist Sommerpause …

Wünsch dir Gottes Segen!
Dein
Stephan

1. Wort zur Ermutigung

Glücklich ist der zu nennen, der die Bewährungsproben besteht und im Glauben fest bleibt. Gott wird ihn mit dem Siegeskranz, dem ewigen Leben, krönen. Das hat er allen versprochen, die ihn lieben.
Jakobus 1,12

2. Helden des Alltags

Vor kurzem war ich in einem total chaotischen Teenkreis.

Schon ein paar Tage vorher hatte mich der örtliche Prediger telefonisch vorgewarnt: „Die sind wild und anstrengend. Da kannst du keine 2 Minuten in Ruhe Andachten machen.“ Ich war also auf einiges vorbereitet.

Vor dem Teenkreis hatte ich ein Treffen mit einem der zwei Mitarbeiter. Wir saßen gerade in der privaten Küche beim Abendessen und haben uns über die Situation unterhalten. Einer der Mitarbeiter wird aufhören – der, mit dem ich am Tisch saß wird weiter machen. Aber es gibt bereits einen Nachfolger.

Da klingelte es an der Tür und es kamen zwei Mädels. Es war fast eine Ÿ Stunde vor dem Teenkreis! Sie gingen an den Küchenschrank, holten sich Tee aus dem Schrank – als ob sie hier zuhause wären. Ok – das ist man ja auch aus anderen Kreisen gewöhnt.

Aber als es dann losgehen sollte – und ich gerade wie in jedem Teenkreis die Bilder von unserem Teen-Event zeigen wollte – da erlebte ich etwas, was ich bisher kaum erlebt hatte. 50% der Teilnehmerinnen (es waren 9) schauten sich die Bilder gar nicht an. Sie unterhielten sich, machten Quatsch, ärgerten sich gegenseitig, tippten irgendwelche Sachen ins Handy. Obwohl ich sie mehrmals aufforderte, die Bilder vom Event anzuschauen – da könnten sie schließlich auch mal hinfahren – bekam ich nur einen kurzen Blick („Hä was willst denn du?“) – und dann war wieder alles beim Alten.

Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Haupt-Anstifterin – und einem Bestechungsversuch mit einer Tüte Glaubis von Haribo – war ein ganz klein wenig Ruhe und ich konnte innerhalb von 5 Minuten ein paar Gedanken loswerden zum Thema Glaube, Mut und Vertrauen.

Im Anschluß daran haben wir noch Klobürstenhockey gespielt und Fangen mit Abschlagen (die Mädels sind 14 Jahre und älter …). Ausgerechnet das letzte Spiel hat die größte Begeisterung hervorgerufen …

Dieser Nachmittag hat mich echt geschafft.

Aber zwei Dinge an diesem Tag haben sich so bei mir eingebrannt, dass ich sie hier erzählen muss:

1. Die zwei Mitarbeiter machen das inzwischen schon seit über zwei Jahren (sie haben den Kreis wieder neu angefangen). Jede Woche den gleichen Stress. Ich muss ganz ehrlich sagen: Das sind für mich die wahren Helden des Alltags. Die Helden der Jugendarbeit. Wenn es dafür eine Auszeichnung für den Helden der Jugendarbeit gäbe, dann würden die beiden die bekommen.

2. Ein kurzes Gespräch, das ich zwischen Chaos und Fangen-Spiel mit der Gruppe führen konnte hat mich einfach umgehauen.
Da sagt doch eine der Teilnehmerinnen: „Ich finde es genial, dass der Stefan (einer der Mitarbeiter) das hier macht und auch bei uns bleibt – der ist echt voll cool drauf“. Und alle anderen Mädels nicken zustimmend. Und Stefan ist jetzt kein typischer Teenager-Typ mit coolen Sprüchen und Fetzen-Ideen, sondern eher ein stiller, netter, zurückhaltender Mensch.

Diese zwei Dinge haben mich begeistert:
- Das Durchhaltevermögen der Mitarbeiter
- Die Wertschätzung der Mitarbeiter von der absolut chaotischen Truppe
Das lässt mich Hoffnung haben – für die Jugendarbeit in diesem Ort und an vielen Orten in Bayern und Deutschland. Ich hoffe, das es noch viele Mitarbeiter gibt, die genau solche Jugendarbeiten aufbauen – wo solche Mädels (und Jungs) erreicht werden. Wo gute Beziehungen zwischen Mitarbeiter und Jugendlichen entstehen – auch wenns manchmal chaotisch ist.

Eine Frage persönlich an dich:
Kennst du einen Mitarbeiter, der in so einer Situation steckt? Schreib ihm eine Mail und sage ihm, was er für eine wertvolle Arbeit tut. Segne ihn in Gottes Namen.

3. Tipp für die Praxis

Ich habe vor kurzem ein Interview bei 37 Grad gesehen mit der ehemaligen Muslima Sabatina James, die wegen ihrem christlichen Glauben verfolgt wurde und heute in Deutschland lebt. Noch heute muss sie manche Anfeindungen aushalten. Über diese Geschichte hat sie ein Buch geschrieben.
Eine gute Möglichkeit, über dieses wichtige Thema ins Gespräch zu kommen:
Der Film:
http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,1020910,00.html?dr=1
Das Buch:
http://www.amazon.de/Sterben-sollst-Gl%C3%BCck-Gefangen-zwischen/dp/3426779129/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1280161116&sr=1-2

4. Echt witzig

Ein bisschen schwarzer Humor – aber echt gut …
„Als ich noch jünger war, hasste ich es, auf Hochzeiten zu gehen.
Meine beiden Großmütter und alle möglichen Tanten drängten sich immer um mich, piekten mich in die Seite und kicherten: „Du bist der Nächste! Du bist der Nächste!“
Sie haben erst mit dem ganzen Mist aufgehört, als ich anfing, bei Beerdigungen dasselbe zu machen!“


Suchst du eine Andacht – brauchst du Input für dich selbst?
Unter http://www.jugendleiternetz.de/?i=jlm findest du alle bisherigen Jugendleitermails – sogar mit einer Stichwort-Suchfunktion.
Viel Spaß beim Stöbern!
Stephan Münch – EC-Bayern

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