Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 325] Wer bin ich?

Hi!

Als ich gestern aufgewacht bin und ich den Tag mit mehr oder weniger Elan begann, kamen mir einige Gedanken in den Kopf, die mir Mut und Gelassenheit geschenkt und mich bis jetzt nicht losgelassen haben. Daran will ich dich gerne teilhaben lassen.

Ich wünsch dir, dass du die nächsten Tage in dem Bewusstsein leben kannst: Egal, wer ich auch bin – Gott kennt mich – ich bin sein Kind!

Gott segne und bewahre dich!
Dein
Stephan

1. Ein Wort zur Ermutigung

Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade.
1. Kor. 15,10

2. Wer bin ich?

Oft bin ich nach außen hin fröhlich, gut drauf, ideenreich und wortgewandt. Aber nach innen hin fühle ich mich manchmal ganz schön ausgelaugt, leer, kraftlos. Und ab und zu frag ich mich: Wie lange soll dieses Spiel noch so weiter gehen? Kann man auf Dauer nach außen hin etwas spielen, was man ich innen hin gar nicht ist? Natürlich gibt’s Situationen, in denen muss man „professionell“ sein, sich durchbeißen. Aber muss man immer stark sein?

Ein sehr tiefgründiges Gedicht von Dietrich Bonhoeffer hat mir wieder eine neue Perspektive geöffnet. Bonhoeffer schrieb dieses Gedicht im Militärgefängnis Berlin-Tegel und legte es einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge am 8. Juli 1944 bei.

Wer bin ich?
Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter
und fest wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.
Wer bin ich?
Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich?
Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig, lächelnd und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein
verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer

Eine Idee persönlich für dich:
Wie wäre es, den Spruch: „Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, o Gott“ auf ein Kärtchen zu schreiben und auf den Schreibtisch zu stellen, um dich immer wieder daran zu erinnern?

3. Tipp für die Praxis

Wir haben vom Deutschen EC-Verband die Möglichkeit erhalten, einige inhaltlich gute Themen und Papiere ins Jugendleiternetz zu übernehmen. Es wird jetzt jede Woche eine neue Einheit geben, die dann jeweils auf der JLN-Startseite unter „Neue Artikel“ zu finden sein wird. Danke an den Deutschen EC … und danke an dieser Stelle an Martin, der die Artikel einstellt.

Diese Woche haben wir mit dem Thema „Wie plane ich ein Konzert“ begonnen.
Hier zu finden: http://www.jugendleiternetz.de/?i=artikel&aid=394
Der Artikel ist zwar schon ein paar Jährchen alt – aber immer noch gut :-)

4. Witzig

Koch: „Was hat denn der Gast gerade in das Beschwerdebuch eingetragen?“
Ober: „Ach nichts. Er hat nur sein Schnitzel eingeklebt.“


Suchst du eine Andacht – brauchst du Input für dich selbst?
Unter http://www.jugendleiternetz.de findest du alle bisherigen Jugendleitermails. Du kannst auch nach Stichworten suchen mit unserer Suchfunktion.
Viel Spaß beim Stöbern!
Stephan Münch – EC-Bayern

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