Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 350] Das Beste kommt zum Schluss

Hallo!

Warten ist gar nicht so einfach. Warten auf den Bus, warten auf bessere Zeiten, warten auf das Essen. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich am Kühlschrank was nasche, obwohl es in einer Viertelstunde essen gibt.

Über das Thema „Warten“ hat Tina Rommeney – Jugendleiterin und Pastorin in Hofen / Oberpfalz – sich einige gute Gedanken gemacht. Mehr dazu unten.

Ich wünsche dir für die letzten zwei Wochen bis Weihnachten, dass Gott dich in dieser hektischen Zeit mit Wartezeiten überrascht – und dass du sie gut nutzen kannst.

Gott segne dich!
Dein
Stephan

1. Ein Wort zum Nachdenken

Wir alle warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die Gott uns zugesagt hat. Wir warten auf diese neue Welt, in der es endlich Gerechtigkeit gibt.
2. Petr. 3,13

2. Das Beste kommt zum Schluss

Advent ist die Zeit des Wartens. Um das Warten zu erleichtern dürfen wir jeden Tag ein Türchen unseres Adventskalenders öffnen. So steigt die eigentliche Freude auf den Großen Tag – Jesu Geburt. Die Kinder zählen die Tage, bis endlich Weihnachten ist und sie ihre Geschenke auspacken können.

Mir ist diese kindliche Vorfreude ehrlich gesagt verloren gegangen :-( und leider nicht nur im Advent, sondern auch im Glauben. „Advent“ bezeichnet nämlich nicht nur die Menschwerdung Gottes, sondern auch die Wiederkunft Christi. Erwarte ich denn, dass Jesus wieder kommt? Paulus & Co. lebten noch in dieser Überzeugung und rechneten zu ihren Lebzeiten mit Jesu Rückkehr. Ist uns heute überhaupt bewusst, dass wir warten? Wenn man über 2000 Jahre wartet, kann man das schon mal vergessen …

Warten ist auch ganz schön nervig – an der roten Ampel, im Stau vor der Baustelle, in der Arztpraxis, an der Kasse, in der Telefonschleife … Ok, das ist ärgerlich, kann man aber verkraften. Schwieriger wird es mit echten Bedürfnissen und Wünschen, die ich Gott schon so oft im Gebet gesagt habe – dass meine Familie zum Glauben kommt, dass meine Freundin gesund wird, dass der Jugendkreis Zuwachs bekommt, dass ich endlich den Single-Status hinter mir lassen kann…. Dann ist Warten nicht mehr nur nervig, sondern richtig hart. Und es kostet mich was – immer wieder die Entscheidung, Gott zu vertrauen. Zu glauben, dass er sein Wort hält und mein Bestes will. Dass sein Timing perfekt ist und er allerspätestens pünktlich kommt.

Während meines Studiums war ich mal ziemlich entmutigt und als ich dann bei einer Studienkollegin ins Zimmer kam lief gerade ihr Bildschirmschoner: Relax – God is in charge! (Entspann dich – Gott hat die Führung). Wie wahr! Schade, dass mir diese Gewissheit immer wieder abhandenkommt. Sie will behalten werden und das fordert meinen Einsatz, meine bewusste Entscheidung.
So ist das Warten auf Jesu Wiederkunft oder auch das Warten auf Gottes Eingreifen in unserem Alltag auch eine bewusste Entscheidung. Ich glaube, dass es gut ist Jesus in unserem Leben und unserer (Um-)Welt zu er-warten. Das wird Kraft, Geduld und Ausdauer fordern, aber ich bin sicher es lohnt sich.

Warten ist ja eine Disziplin die wir in unserer Fastfood-Gesellschaft kaum mehr beherrschen. Es muss immer alles schnell gehen und meine Bedürfnisse müssen immer sofort gestillt werden. Wenn ich etwas will, aber kein Geld habe, zahle ich es eben auf Raten.

Aber, dass Warten sich lohnt, sagt uns nicht nur die Bibel, sondern auch die Wissenschaft (nur die Wirtschaft ignoriert es ). Der Psychologe Walter Mischel entwickelte in den 70er Jahren ein Experiment (Marshmallow-Test), um Herauszufinden inwieweit die Fähigkeit eines Kindes auf eine Belohnung zu warten Auswirkungen darauf hat, wie es als Erwachsener in seinem Leben zurecht kommt. Die Aufgabe lautete: Eine kleine Belohnung jetzt oder eine größere Belohnung später. Die Anzahl der Sekunden, die ein Kind warten konnte – zeigte tatsächlich, ob ein Kind später ausgeglichen und kooperativ war, ob es Initiative zeigte und welche Schulnoten es nach Hause brachte. Selbst als die Kinder längst erwachsen waren, ließen ihre früheren Testresultate auf ihr Selbstbewusstsein und ihre Stressresistenz schließen.

Daniel Goleman, Autor des Buches „emotionale Intelligenz“, meint sogar, dass eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Lebensbewältigung ist, kurzfristigen Verlockungen für langfristige Ziele zu entsagen. Dass die Kinder bei dem Test überhaupt auf die Belohnung warteten, setzte ja voraus, dass sie dem Versuchsleiter vertrauten und er sein Wort hält. Genau so geht es uns mit Gott. Vertrauen wir ihm? Glauben wir, dass er sein Wort hält?

Die Kinder, die sich für´s Warten entschieden hatten, waren sehr kreativ, um der Versuchung, den Marshmallow gleich zu essen, zu widerstehen. Einige hielten die Hände vor´s Gesicht, andere redeten sich Mut zu, wieder andere begannen zu singen oder erfanden Spiele mit ihren Händen und Füssen.
Auch wir können die Wartezeit auf Jesu Wiederkommen sehr unterschiedlich füllen. Wie willst Du Dein Leben bis dahin gestalten? Welche Ziele hast Du?

Auf jeden Fall lohnt es sich bereit zu sein, „denn der Menschensohn wird gerade dann kommen, wenn wir am wenigsten damit rechnen!“ (Mt. 24, 44)

(Tina Rommeney)

3. Tipp für die Praxis

Wenn Du das nächste Mal wartest … (an der Ampel, der Warteschlange, Stau oder im Wartezimmer, auf die Erfüllung eines Wunsches…)
- Mach Dir bewusst, dass Du auf Jesus wartest.
- Frag Dich, was Du von Jesus oder Jesus von Dir er-warte(s)t.
ärgere dich nicht, sondern freu dich über die gewonnene (Ruhe-)Pause.
- Bete für jemanden …. vor dir in der Schlange, für die Kassiererin, den Arzt oder den Unfall oder einfach für eine Person, an die Dich Gott erinnert.
- Erinnere Dich daran, dass Gott weiß, was Du brauchst und ER Dir Leben im Überfluss schenken will (egal wie leer o. voll Dein Bank-Konto ist). Vgl. Joh 10,10b

4. Echt witzig

Der Marshmallow-Clip mit den Kindern … wirklich cool:
http://www.youtube.com/watch?v=Y7kjsb7iyms


Suchst du eine Andacht – brauchst du Input für dich selbst?
Unter http://www.jugendleiternetz.de findest du alle bisherigen Jugendleitermails. Du kannst auch nach Stichworten suchen mit unserer Suchfunktion.
Viel Spaß beim Stöbern!
Stephan Münch – EC-Bayern

Neueste Beiträge

18 Kennenlernfragen: Mit diesen Fragen brichst du das Eis in jeder Gruppe

Wie ein Reh im Scheinwerferlicht schauen mich acht Augenpaare an. Es ist der erste Abend…

29. April 2021

Gottes Meisterwerk: Warum du kreativer bist als du denkst

Viele Menschen halten sich nicht für »kreativ« – aber da liegen sie falsch. Wir alle…

20. April 2021

Das Lockdown-Paradox: Wie bekomme ich mein Zeitgefühl zurück?

Wir leben in einer seltsamen Zeit, die wenig Struktur und Neues bietet. Wie können wir…

16. April 2021

Sex, Verzweiflung, Mord und die Unterstellung eines rassistischen Motivs

Die Nachrichten über Waffengewalt aus den USA scheinen kein Ende zu nehmen. Vor zwei Wochen…

6. April 2021

Gute Nachricht schlecht verpackt? Das muss nicht sein [4 Tipps]

Evangelisation muss nicht zum Fremdschämen sein. Wie können Jugendleiter:innen das Teilen des Evangeliums jungen Menschen…

25. März 2021

Bringen wir Jugendlichen bei, ihre Sünden zu bekennen oder zu verbergen?

Machen wir unsere Kinder zu Heuchlern? Schaffen wir ein Umfeld, in dem Teens das Gefühl…

17. März 2021