Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 364] Vertrauen – aber wie?

Hallo!

Was ermutigt dich im Alltag? Was gibt dir die Kraft, durchzuhalten, auch wenn es nicht so einfach ist? Heute will ich von einem Erlebnis berichten, wo mich Gott durch ein Lied wieder neu daran erinnert hat, dass er da ist, dass ich ihm vertrauen kann.
Ich wünsch auch dir für diesen Tag dass Gott dich ermutigt, tröstet, stärkt - vielleicht durch diese Jugendleitermail.

Gott, der allmächtige segne, begleite und bewahre dich!
Dein
Stephan

1. Wort zur Ermutigung

Jesus sagte zu ihnen:Erschreckt nicht, habt keine Angst! Vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich!
Johannes 14,1

2. Vertrauen – aber wie?

Ich kann mich noch gut erinnern, als mich dieses Lied zum ersten mal ganz tief berührte. Ich saß in unserem Andachtssaal im Theologischen Seminar in Tabor / Marburg ganz allein am Klavier und wünschte mir, dass Gott mich neu ermutigt, dass er mich ruhig macht, mir seine Wegweisung gibt.
Vieles war unklar. Wie sollte es in meiner Beziehung weiter gehen? Was hatte Gott mit meinem Leben vor? Was sollte nach dem Studium kommen? Diese und viele andere Fragen quälten mich und wühlten mich innerlich auf.
Ich blätterte das Liederbuch durch und blieb an einem Lied hängen. Es war das Lied einer Diakonisse: Helga Winkel, die im Jahr 1957 mit 30 Jahren unheilbar erkrankte und daraufhin dieses Lied schrieb: „Herr, weil mich festhält deine starke Hand, vertrau ich still“.

Also sang ich das Lied, Strophe um Strophe. Und beim letzten Vers konnte ich nicht mehr weiter singen. Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich plötzlich merkte: Das ist mein Vers. Der gilt für mich - Gott spricht hier mitten in meine Situation:

„Ist auch die Zukunft meinem Blick verhüllt, vertrau ich still
Seitdem ich weiß, dass sich dein Plan erfüllt, vertrau ich still.
Seh ich nicht mehr, als nur den nächsten Schritt.
Mir ist’s genug, mein Herr geht selber mit.“

Den Trost dieser Verse kann ich heute noch spüren. Wie ein Strom von oben ermutigten mich diese Zeilen und gaben mir den Mut und die Kraft, weiter zu gehen und Gott wirklich zu vertrauen.

Das war vor vielen Jahren.

Vorgestern saß ich in einer Kirche ganz allein. Ich wollte eine Auszeit mit Gott verbringen. Wie eine Lawine überrollten mich in letzter Zeit die Aufgaben und Herausforderungen. Mein Vertrauen auf Gott war erschüttert, ich sagte zu ihm: „Ich will dir vertrauen, aber ich schaff es manchmal einfach nicht! Zu groß sind die Herausforderungen und Lasten, die mich niederdrücken.“
Ich saß also in der Kirche und blätterte im Gesangbuch auf der Suche nach Trost, Ermutigung, nach einem Liebesbeweis Gottes. Da stieß ich auf einmal auf dieses Lied - und es war, als würde Gott mir die Hand auf die Schulter legen und zu mir sagen: „Ich bin da - genauso wie damals. Und ich werde dich durchtragen.“
Und leise - ganz für mich - summte ich dieses Lied Strophe um Strophe in der leeren Kirche. Und beim letzten Vers spürte ich es wieder: Dieses Lied gilt mir. Gott spricht hier direkt in meine Situation. Ich darf ihm vertrauen - ganz egal, wie dunkel und unklar manches ist. Wie unsicher die Zukunft auch scheint - Gott sagt zu mir: „Vertrau mir - ich werde dich sicher führen, auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.“

Eine Frage persönlich an dich:
Wo bist du herausgefordert in deinem Alltag, in deinen Aufgaben? Wo kommst du an den Rand deiner Kräfte und Möglichkeiten?
Lies vielleicht das Lied für dich persönlich als Gebet - und lass dich von Gott ermutigen.
http://www.musical-aidlingen.de/~musical/8_Herr_weil_mich_festhaelt.pdf

3. Tipp für die Praxis

Dieses Lied von Helga Winkel ist sicher schon etwas älter - aber man kann es auch als Ermutigung für die eigene Stille Zeit oder für eine Andacht im Mitarbeiterkreis oder Hauskreis gebrauchen.
Hier ein Link zu einer doch recht passablen Aufnahme des Liedes:
http://www.youtube.com/watch?v=ua2GiItOMKk

4. Noch ein Witz

Zwei Mönche waren von ihrem Kloster zu einem anderen unterwegs. Als sie an einen reißenden Bach kamen, bemerkten sie eine junge Frau, die große Angst hatte, das Wasser zu überqueren. Beherzt nahm sie der Ältere auf seine starken Arme und trug sie durch den Bach. Der Jüngere sagte kein Wort.
Erst als sie im Kloster angekommen waren, meinte er: „Bruder, unsere heilige Regel verbietet uns, Frauen auch nur anzuschauen. Du aber hast diese schöne, junge Frau auf deinen Armen durch das Wasser getragen.“ Der ältere Mönch sah seinen Mitbruder lange und ernst an, bevor er sagte: „Ich habe die Frau am Ufer längst abgesetzt. Doch du trägst sie noch immer in deinem Herzen.“


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Viel Spaß beim Stöbern!
Stephan Münch – EC-Bayern

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