Kategorien: Beziehungen

[Jugendleitermail 372] Abschied nehmen

Hallo!

Nicht mehr lange, dann beginnen die Sommerferien. Es ist die Zeit, in der manche studieren gehen, eine Ausbildung beginnen, FSJ oder ein Auslandsjahr machen.
Aber es ist auch die Zeit, in der mancher als Jugendleiter aufhört – und andere an seine Stelle treten.

Abtreten ist gar nicht so einfach: Einen Übergang vorzubereiten, andere ans Steuer zu lassen.
Darum geht es heute in der JLM.

Ich wünsch dir viel Weisheit, Kraft und Mut für deine Aufgabe als Mitarbeiter.
Gott segne und bewahre dich – er ist der Herr über allem.
Ob du gehst oder bleibst.

Dein
Stephan

1. Ein Wort zum Nachdenken

Ich habe gesehen, dass alles ein Ende hat, aber dein Gebot bleibt bestehen.
Psalm 119,96

2. Abschied nehmen

Mit Tränen in den Augen stand er da. Direkt nach dem verlorenen Achtelfinale Schweiz – Argentinien am Dienstag tröstete er zunächst seine Schweizer Fußballer, gratulierte dem Gegner – und dann übermannten ihn seine Gefühle. So etwas war man von dem sonst so disziplinierten Ottmar Hitzfeld nicht gewohnt.

Als Trainer hatte er fast alles erreicht, was es zu erreichen gibt: Er gewann die Champions League mit Borussia Dortmund und Bayern München. Dann folgte der Weltpokalsieg als Sportdirektor beim BVB. Schweizer und Deutscher Meister mit Grashopper Zürich und dem FC Bayern war er in ebenfalls geworden.

Und jetzt – am Ende seiner Karriere wurde er vor sechs Jahren Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Sein letztes Spiel sollte das Achtelfinale gegen Argentinien werden. Nach dem späten 0:1 Endstand in der Nachspielzeit gingen die Argentinier glücklich vom Platz – die Schweizer hofften bis zur letzten Minute auf den Ausgleich und mussten sich am Ende doch geschlagen geben.

Um Fassung ringend nahm der Trainer Abschied von der aktiven Fußball-Bühne Abschied. Am Morgen vor dem Spiel gegen Argentinien hatte er vom Tod seines Bruders erfahren, der nach längerer Krankheit im Alter von über 80 Jahren starb. So stürzten die Emotionen über ihn herein. An diesem Abend kam alles zusammen. Karriereende, persönliche Trauer, ein um Haaresbreite verlorenes Spiel.

Abtreten, Abschiednehmen, Ausscheiden hat viel mit Trauer zu tun.
Das ist auch für einen Jugendleiter, der jahrelang viel investiert hat keine leichte Aufgabe. Man fragt sich: Was kommt danach? Läuft es gut weiter? Wer übernimmt meine Aufgabe?

Da ist es wichtig, sich einen festen Termin zu setzen – so wie Ottmar Hitzfeld. Zu sagen: An diesem Punkt höre ich auf. Ich bereite alles vor, versuche einen Nachfolger heranzuziehen, bereite meine Gruppe darauf vor. Aber dann gehe ich wirklich, auch wenn es schwer fällt.

Ein Abschied sollte auch gut geplant sein. Am Ende noch einmal feiern, aber auch trauern, und einfach mal danken für all das, was geworden ist. Auch das gehört dazu.
Ich selbst habe schon mehrmals Abschied nehmen müssen von Gemeinden, Gruppen, liebgewordenen Menschen. Folgende drei Dinge sind mir wichtig geworden, die es zu bedenken gibt, wenn man abtreten will:

1. Habe ich die Übergabe gut vorbereitet, dass ich meine Aufgabe in andere Hände legen kann?
2. Gibt es einen offiziellen Abschluss-Akt (Fest, Party, besondere Gruppenstunde, Gottesdienst etc.)
3. Vertraue ich den Leuten, die nach mir kommen, dass sie es gut weiter führen und mische ich mich nicht mehr ein?
Es ist gut, dass nichts auf dieser Welt für immer bestehen bleibt. Alles hat ein Ende, wie es in Psalm 119 heißt. Aber wir sollten diese Übergangsphasen bewusst gestalten.

Eine Frage persönlich an dich:
Arbeitest du aktiv daran, eines Tages abzutreten? Wann wäre das? Und was müsstest du bis dahin bedenken?

3. Tipp für die Praxis

Es gibt ein nagelneues Buch für junge Erwachsene: Es heißt „echt stressfrei“ und enthält 365 Alltagsgedanken.
Zu verschiedenen Themen gibt’s eine biblische Besinnung, einen Alltagsgedanken, einen Psalm, ein Zitat, eine Redewendung und was zum Weiterdenken.
Gut geeignet als Anstoß für Hauskreise, Mitarbeiterkreise, Junge-Erwachsenen-Treff usw.

Mehr Infos hier: http://shop.bornverlag.de/index.php?lang=0&cl=search&searchparam=182555

4. Echt witzig

In einer Gemeinde wird ein neuer Pastor gesucht. Nachdem sich zwei vorgestellt haben, berät sich die Gemeindeleitung: Irgendwie war nicht der richtige dabei.
Nach langer Diskussion sagt der Vorsitzende schließlich: „Tja, nun habe ich hier noch eine Bewerbung. Aber sie klingt nicht sehr Vertrauen erweckend. Der Mann schreibt von sich selber, er sei nicht ganz gesund, ihm habe seine Krankheit in der Gemeindearbeit schon ernstlich zu schaffen gemacht. Zwar verfüge er über weitreichende Erfahrungen, halte es aber nie lange in einer Gemeinde aus. Nur in einer sei er immerhin drei Jahre geblieben. Öfters habe er Streit mit anderen Geistlichen oder bestimmten Gruppen in der Gemeinde. Organisation sei nicht seine starke Seite. Andererseits dürfe er wohl annehmen, dass er ein recht guter Theologe und Prediger sei. Auch meine er, den Heiligen Geist zu haben. Wenn die Gemeinde es mit ihm versuchen wolle, werde er ihr dienen, so gut er könne.”

Alle sind entsetzt. Was? Ein kränklicher, streitsüchtiger und gedächtnisschwacher Mann wagte es, sich zu bewerben? Man stimmt ab: Nein, den Mann laden wir gar nicht erst zur Probepredigt ein. Der Vorsitzende schließt seufzend die Akten. „Das habe ich mir schon gedacht. Aber ihr solltet doch wenigstens den Namen dieses bedauernswerten Mannes erfahren. Es ist der Apostel Paulus.”


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Unter www.jugendleiternetz.de findest du alle bisherigen Jugendleitermails. Du kannst auch nach Stichworten suchen mit unserer Suchfunktion.
Viel Spaß beim Stöbern!
Stephan Münch – EC-Bayern

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