Kategorien: Beziehungen

Was du von inspirierenden Jugendleitern lernen kannst

Menschen sind spannend

Ist es nicht einfach spannend, inspirierend und ziemlich ermutigend, dass es JugendleiterInnen gibt, die schon seit vielen Jahren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dabei sind?! Die richtig viele High- und Lowlights erlebt und wahnsinnig viel Segen verbreitet und empfangen haben!? Und die einfach immer noch voll am Start sind?
Finde ich auch. Deswegen habe ich einen dieser Menschen interviewt.

Interview mit Paddy

Hey, danke, dass du dir Zeit für ein Jugendleitermail-Interview nimmst. Erzähl uns doch bitte am Anfang mal: Wer bist du eigentlich?

Mein Name ist Patrick Senner und ich arbeite als Referent für den EC Niedersachsen. Ich bin verheiratet, Future Dad, habe eine Eidechse, einen Hund (gebraucht von eBay Kleinanzeigen) und quasi ein Pferd (es gehört meiner Frau). In meiner Freizeit mache ich gerne etwas mit Freunden, liebe Klippenspringen (in Niedersachsen definitiv schwierig) und engagiere mich für faire Kleidung.

Was machst du im Bereich Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Für den EC Niedersachsen begleite ich drei Netzwerke, die verschiedene Kinder- & Jugendarbeiten innerhalb von Niedersachsen connecten. Dort begleite und coache ich junge Leiter, pumpe lässige Inhalte, veranstalte Freizeiten & Seminare und produziere gerne nicen Content im Bereich Merchandise und Insta.

Wie lange machst du das schon?

Seit 2 1⁄2 Jahren arbeite ich für den EC Niedersachsen. Davor war ich 2 Jahre in Hessen Landesjungscharreferent und in einer Gemeinde tätig.
All in All arbeite ich gut 5 Jahre seit Studienende in Marburg (B.A. Ev. Theologie in TABOR).

Kannst du dich daran erinnern, was dich ganz am Anfang dazu ermutigt hat, in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einzusteigen?

Andere Referenten. Ich wollte immer so werden, wie „die Leuchttürme“ der Jugendarbeit im EC Ostfriesland. Sie haben in mein Leben geschienen. Damals konnte ich mir nix geiles vorstellen, als krasse Events kicken, viel mit Jesus erleben und dafür noch Geld zu erhalten. Grande.

Letztendlich waren es EC Referenten und viele Menschen in meiner damaligen Gemeinde, die etwas in mir gesehen haben, mir Aufgaben mit Verantwortung gaben und mich frühestmöglich ernst nahmen. Ihnen war nicht wichtig, ob ich „alt genug“ war, irgendwelche Qualifikationen vorweisen konnte. Sie haben mir Dinge ermöglicht, die für mich niemals vorstellbar waren. Sie haben mir eine verlässliche Gemeinschaft garantiert und mich in dieser großgezogen.

Was hält dich auf Dauer dabei? Was ermutigt dich, dranzubleiben?

Definitiv die überregionale Arbeit, bei der ich als Referent immer wieder erlebe, dass es „viel viel mehr gibt“, als nur „meinen kleinen Ort XY“. Menschen inspirieren mich, ich höre Jesus durch sie reden und sehe ihn durch sie handeln. Wenn ich für mich alleine bliebe, würde ich aufgeben. Auch jetzt – Jahre nach meiner Jugend in good old Ostfriesland – investieren Menschen in mein Leben: Meine Frau, meine Kollegen im EC und meine Coaches ermutigen mich, sehen etwas in mir und helfen mir in den „dunklen Nächten meiner Seele“ die guten Spuren Gottes in meinem Leben zu sehen und arbeiten treu mit mir an meinem Charakter. Das hilft mir dranzubleiben. Ebenso guter Inhalt durch persönliche Weiterbildung im Bereich Leitung und Nachfolge – vor allem durch Podcasts und richtig gute zeitgemäße Literatur, die meine Sprache spricht, um gute Inhalte zu liefern.

Kannst du ein Erlebnis aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erzählen, was dich besonders ermutigt hat?

Ich habe unser EC Teencamp 2019 vor Augen, bei dem ich 2 junge Männer (17 und 18 Jahre) vor Augen habe. Der eine war das Erste mal Mitarbeiter, wurde aus meiner Sicht von vielen unterschätzt und ist auf diesem Camp durch gute Begleitung kilometerweit gewachsen. Dabei sein zu dürfen, so was zu erleben, solche Wachstumsprozesse zu initiieren, das ist das Größte für mich. Und der zweite junge Mann wurde von mir auf dem Camp gefragt, ob er 2020 mein Mitarbeiter sein möchte. Das hat in ihm gewaltiges ausgelöst. Das zu sehen, erfüllt mich mit Freude, treibt mich an und rechtfertigt jede müde Überstunde. Dafür lebe und arbeite ich.

Was hat dich in deiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am meisten herausgefordert – und wie bist du damit umgegangen?

Mich fordert heraus, dass Prozesse manchmal länger dauern, als mir lieb ist. 100 Ideen zu haben ist nicht, das Problem. Aber EINE davon richtig gut auf die Strecke zu bringen und alle Konsequenzen und Nacharbeiten gesund und nachhaltig durchzuhalten, ist schwer. Viele haben tolle Ideen, aber nur einer hat Facebook/ Instagram erfunden. Ich finde es elementar, seine Ideen zu sortieren und mit Gott und Mitarbeitern im Gespräch zu sein, was für den Zeitraum XY die EINE Idee ist. Und dann gibt es nur ein Gas: Vollgas.

Mich fordert zudem heraus, dass aus meiner Wahrnehmung heraus viele Jugendarbeiten Probleme haben, Menschen inhaltlich zu erreichen, Inhalte so zu formulieren, dass sie wirklich mitten in das Herz junger Menschen treffen und dort wie Samenkörner aufgehen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir alles versuchen, um an der Form von Jugendarbeit zu basteln, dabei aber inhaltlich auf der Strecke bleiben. Wir brauchen gerade im Bereich der Ethik junge Leiter, die mit ihren Kreisen inhaltlich so arbeiten, dass sie Antworten und Lebenshilfen für die Fragen und die Kultur junger Menschen und dabei auch bekannte Rahmen verlassen, weil die Bibel viele unserer heutigen Lebenswelten nicht kennt und deswegen nicht 1 : 1 übertragbare Antworten hat. Wir brauchen Leiter, die mutig Inhalte formulieren, Entscheidungen für Fragen treffen, auf die es bisher keine Antwort gibt, ohne zu wissen, ob ihre Antwort am Ende die richtige ist. Deswegen gilt es für junge Leiter mit Bonhoeffer zu beten, dass Gott aus unseren Gedanken und Taten Gutes entstehen lässt.

Was sind für dich die drei Hauptfaktoren für eine erfolgreiche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

1. Treue – gerade im Kleinen und zu Gott.
2. MIT ihnen zusammenarbeiten, nicht FÜR sie.
3. Frühst möglich Verantwortung übernehmen und delegieren.

Was kannst du Mitarbeitenden wärmstens empfehlen?

Eine meiner Lieblingsthemen: Nice Bildung für Junge Leiter/ Nachfolger:

Podcasts:
Theologische Hammer 
(für Auto, Zug, Rad… Theologie am Zahn der Zeit): Worthaus (Dietz & Zimmer), Faszination Jesus (Hartl) // Unterwegs (TABOR Podcast) // Neolog
Gute Talks: Hossa Talk// Mosaik// Offenbart
Politische Bildung: Lage der Nation
Fürs Herz: Stay on Fire // ICF Muenchen (T. Teichen)
Gute Lebensberichte (es ist wichtig, sich als Leiter von Anderen inspirieren zu lassen – egal ob Christ oder nicht): Hotel Matze // Deutschland 3000 // OMR // Frau Bauerfeind hat Fragen// Redezeit// Fynn Kliemann – Podcast zum Album
Für Bildung: TED Talks // Ecclesiopreneur Podcast
Zum Lachen und dafür ein Gespür zu entwicklen, was gerade in Medien aktuell ist: Gemischtes Hack // Fest & Flauschig // Alle Wege führen nach Ruhm // Podcast Ufo
Jugendarbeit: Jugendleiter-Podcast

Literatur für Leiter:
– Exponential (Wachstum von Leitern und Gemeinden)
– Sünde (Dietz)
– Weiterglauben (Dietz)
– Gott braucht dich nicht (Esther M. Magnis – Thema Leid) – Einfach Gebet (Hartl)
– Generation Lobpreis (Faix)
– Frag immer erst warum (Sinek)
– Theorie U (Scharmer)
– Bibel – geht immer

Vielen Dank dir für deine Antworten – und deinen Einsatz für Kinder und Jugendliche!

Dieser Artikel erschien zuerst in der Jugendleitermail, die 2020 mit Mr. Jugendarbeit fusioniert ist.

Die Jugendleitermail war eine Initiative von Stephan Münch »Lebenstraum – Jahr der Orientierung« und Heiko Metz »Evangelische Hochschule TABOR«, um Jugendleiter zu unterstützen. In über 500 Jugendleitermails teilten sie Impulse, motivierende Gedanken, inspirierende Ideen und geistliche Ermutigungen.

Neueste Beiträge

18 Kennenlernfragen: Mit diesen Fragen brichst du das Eis in jeder Gruppe

Wie ein Reh im Scheinwerferlicht schauen mich acht Augenpaare an. Es ist der erste Abend…

29. April 2021

Gottes Meisterwerk: Warum du kreativer bist als du denkst

Viele Menschen halten sich nicht für »kreativ« – aber da liegen sie falsch. Wir alle…

20. April 2021

Das Lockdown-Paradox: Wie bekomme ich mein Zeitgefühl zurück?

Wir leben in einer seltsamen Zeit, die wenig Struktur und Neues bietet. Wie können wir…

16. April 2021

Sex, Verzweiflung, Mord und die Unterstellung eines rassistischen Motivs

Die Nachrichten über Waffengewalt aus den USA scheinen kein Ende zu nehmen. Vor zwei Wochen…

6. April 2021

Gute Nachricht schlecht verpackt? Das muss nicht sein [4 Tipps]

Evangelisation muss nicht zum Fremdschämen sein. Wie können Jugendleiter:innen das Teilen des Evangeliums jungen Menschen…

25. März 2021

Bringen wir Jugendlichen bei, ihre Sünden zu bekennen oder zu verbergen?

Machen wir unsere Kinder zu Heuchlern? Schaffen wir ein Umfeld, in dem Teens das Gefühl…

17. März 2021