Kategorien: BeziehungenKolumne

Wie du deine Begeisterung und Power als Mitarbeiter_in behältst – Teil 03

Vom Bau zum großen Feuer

In den ersten beiden Teilen unserer kleinen Serie zu der Frage: „Wie du deine Begeisterung und Power als Mitarbeiter_in behältst“ haben wir bisher herausgefunden: Jesus ist der Grundstein, die Grundlage der Gemeinde, die alles trägt. Christsein heißt: Ich gehe zu Jesus. Ich nehme ihn als Grundstein meines Lebens an. Ich lasse mich als lebendiger Stein in Gottes Gemeindebau einfügen, um da zu seiner Ehre tätig zu sein. Je mehr Menschen in der Gemeinde das verstanden haben und leben, desto stärker ist die Gemeinde.

»Jetzt weiß ich, dass du ein Mann Gottes bist. Auf das Wort, das du im Namen des Herrn sprichst, ist Verlass!«
(1Könige 17,24)

So weit, so gut. Wenn man das so hört, könnte man ja meinen, es ginge um fromme Leistung. Die Forderung sich einzusetzen und Leistung zu bringen, hören wir unserer Tage ja überall. Wer keine Überstunden macht, verliert seinen Job. Wer keine außerschulischen Aktivitäten und ehrenamtliche Mitarbeit nachweisen kann, braucht nach einer Lehrstelle kaum noch zu suchen. Die Gemeindearbeit muss laufen – wir sollen doch lebendige Steine sein. Ist die Stärke der Gemeinde ihr Machertum? Gehört ausbrennen dazu? Je mehr geschafft wird, desto besser? Um dem nachzugehen, schauen wir uns heute einen Erlebnisbericht an, der auf 1. Könige 18 und 19 basiert.

Fußball geht immer

Ballspielen verboten! Elia beschert Baalspropheten auf dem Karmel vernichtende Niederlage! Entscheidungskampf um den Titel: Wer ist der wahre Gott Israels?

Auf der einen Seite: Vierhundertfünfzig Propheten des Baal. Auf der anderen Seite: Elia, ein behaarter alter Mann. Die zu lösende Aufgabe bestand darin, Feuer vom Himmel herabzurufen, um einen Holzstoß mit einem Opferstier darauf zu entfachen. Derjenige Gott, der dazu in der Lage ist, sollte zum Sieger erklärt werden.

Die Baal-Mannschaft begann als Erste. Vom Morgen bis zum Mittag tanzten die Propheten kultig hüpfend um den Stier „Ihr Gott gab keine Antwort“, erklärte Elia später. „Ich fragte, ob er vielleicht verhindert sei, aber sie machten einfach weiter. Ich habe es schon immer gesagt: Mit dem ewigen Baalspielen kann man keinen Blumentopf gewinnen.“

Dann war Elia an der Reihe. Um die Sache nicht zu leicht zu machen, hatte er den Holzstoß mit Wasser übergossen: Niemand sollte glauben, ich würde schummeln“, erklärte er. Er trat nach vorne und betete zu Gott. Unmittelbar darauf kam Feuer vom Himmel, und der Stier wurde geröstet.

Die Zuschauer gerieten in einen Freudentaumel, durchbrachen die Absperrungen, stürmten auf das Spielfeld und brachten die Baalspropheten auf Anweisung Elias um. „Nach dem Reglement ist es verboten, den Platz zu betreten“, sagte ein Ordner, „aber angesichts der aufgeheizten Atmosphäre räumte ich lieber möglichst unauffällig das Feld.“ Grimmigen Blickes, aber zufrieden, beobachtete Elia, wie das Volk Israel seine Rückkehr zu Gott feierte.

—–

Vor Elia steht ein Bote mit einer Nachricht von Königin Isebel. Sie will Elia töten. Auf einen Schlag ist alles aus! Das ist zu viel. Emotionaler Stromschlag. Ausbrennen. Das geht zu weit.

Erst die ganze Strapaze mit den Baalspropheten und jetzt das. Damit hatte Elia nicht gerechnet. Sein Hochgefühl weicht totaler Entmutigung und Angst. So viel Angst, dass er flieht. 180 Kilometer weit durch ganz Israel. Elia rennt um sein Leben, bis er in der Wüste im Süden Judas angekommen ist. So viel Angst hat er. Unter einem Wacholderbusch bricht er zusammen. „Es reicht!“, sagt er. „Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich bin fertig!“

Nach den krassen Erfahrungen mit Gott am Berg Karmel, folgt jetzt der gnadenlose Absturz. Alles, was sich in ihm angestaut hat, alle Emotionen brechen über Elia ein. Er ist am Ende – mehr ist er nicht mehr.

Er ist fertig mit sich, mit Gott und dem Rest der Welt. Alle Reserven sind aufgebraucht. Batteriestand auf Minus. Elia sitzt unter dem Strauch und will sterben. Das will er wirklich. Er sieht keinen Sinn mehr in gar nichts. Alle haben ihn verlassen. Keiner steht zu ihm. Alle wollen ihn umbringen. Dabei hat er doch für Gott gekämpft. Dabei war er doch so erfolgreich. Aber jetzt ist alles aus. Nur noch der Tod scheint Sinn zu ergeben. Vor lauter Erschöpfung schläft er ein.

Jetzt wird’s praktisch

Kennst du solche Erfahrungen? Kennst du ausbrennen? Vielleicht nicht so krass, aber doch in der Richtung? Voll reingegangen für die Kinderferienspiele oder das Sommercamp, alles gegeben, auch über die Kräfte hinaus, tolle Sachen erlebt … und danach der Absturz. Traurig, fertig, zu platt für alles.

Denk doch mal an das letzte Jahr als MitarbeiterIn. Wo kamen solche oder ähnliche Situationen vor? Vielleicht denkt ihr darüber auch einmal in eurem Mitarbeiterkreis nach und tauscht euch darüber aus?

Wirklich witzig?!

Ein Pfarrer und ein Reisebusfahrer warten zusammen vor der Himmelstür. Petrus öffnet und sagt: „Komm schon rein“, zum Busfahrer. Dem Pfarrer verwehrt er den Eintritt. „Warum das denn jetzt?“, fragt der Pfarrer. Petrus legt ein weises Lächeln auf: „Schau, wenn du gepredigt hast, haben die Leute in der Kirche geschlafen. Aber wenn der da am Lenkrad saß, haben alle Leute im Bus gebetet.“

In Teil 04 geht es mit Elia und der Frage weiter: Wie kann das sein, dass uns der Dienst für Gott manchmal zum Absturz führt; dass Mitarbeiter_innen ausbrennen?

Dieser Artikel erschien zuerst in der Jugendleitermail, die 2020 mit Mr. Jugendarbeit fusioniert ist.

Die Jugendleitermail war eine Initiative von Stephan Münch »Lebenstraum – Jahr der Orientierung« und Heiko Metz »Evangelische Hochschule TABOR«, um Jugendleiter zu unterstützen. In über 500 Jugendleitermails teilten sie Impulse, motivierende Gedanken, inspirierende Ideen und geistliche Ermutigungen.

Neueste Beiträge

18 Kennenlernfragen: Mit diesen Fragen brichst du das Eis in jeder Gruppe

Wie ein Reh im Scheinwerferlicht schauen mich acht Augenpaare an. Es ist der erste Abend…

29. April 2021

Gottes Meisterwerk: Warum du kreativer bist als du denkst

Viele Menschen halten sich nicht für »kreativ« – aber da liegen sie falsch. Wir alle…

20. April 2021

Das Lockdown-Paradox: Wie bekomme ich mein Zeitgefühl zurück?

Wir leben in einer seltsamen Zeit, die wenig Struktur und Neues bietet. Wie können wir…

16. April 2021

Sex, Verzweiflung, Mord und die Unterstellung eines rassistischen Motivs

Die Nachrichten über Waffengewalt aus den USA scheinen kein Ende zu nehmen. Vor zwei Wochen…

6. April 2021

Gute Nachricht schlecht verpackt? Das muss nicht sein [4 Tipps]

Evangelisation muss nicht zum Fremdschämen sein. Wie können Jugendleiter:innen das Teilen des Evangeliums jungen Menschen…

25. März 2021

Bringen wir Jugendlichen bei, ihre Sünden zu bekennen oder zu verbergen?

Machen wir unsere Kinder zu Heuchlern? Schaffen wir ein Umfeld, in dem Teens das Gefühl…

17. März 2021