Was du von inspirierenden Jugendleitern lernen kannst

Menschen sind spannend!

Ist es nicht einfach spannend, inspirierend und ziemlich ermutigend, dass es JugendleiterInnen gibt, die schon seit vielen Jahren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dabei sind?! Die richtig viele High- und Lowlights erlebt und wahnsinnig viel Segen verbreitet und empfangen haben!? Und die einfach immer noch voll am Start sind?
Finde ich auch. Deswegen habe ich einen dieser Menschen interviewt.

Interview mit Klaus Heid

Wer bist du eigentlich?

Klaus Heid, verheiratet, zwei Teens zu Hause. Pastor der Immanuel-Gemeinde Frankfurt und der Christusgemeinde Schwalbach, Vorsitzender des EC-Landesjugendverbandes Hessen-Nassau.

Was machst du im Bereich Kinder- und Jugendarbeit?

In unserer Gemeinde plane und gestalte ich mit einem Team viermal/Jahr ein Kinds-Event für 5-11-Jährige, leite den Teenkreis und arbeite im Konfirmandenunterricht mit. Bei EC Hessen-Nassau denke ich mit dem Vorstand und den Referenten nach, welche Impulse wir für die Arbeiten vor Ort setzen können, welche Begleitung Mitarbeitende brauchen und wie wir einen guten Rahmen für Kinder- und Jugendarbeit bieten können.

Wie lange machst du das schon?

Nach der Konfirmation habe ich gemeinsam mit dem Pfarrer (der fast nie da war) die Jungenjungschar geleitet. Das war vor 37 Jahren… Lange ist es her. 

Kannst du dich daran erinnern, was dich ganz am Anfang dazu ermutigt hat, in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einzusteigen?

Ich bin jemand, der Dinge anpackt, die getan werden müssen. Also, wenn einem was für die Füße gelegt wird. Der Pfarrer wollte eine Jungschar für Jungs gründen und suchte Unterstützung. Ich bin durch die Jungschararbeit des EC zu Glauben gekommen, wusste, was das für eine Möglichkeit ist, und hatte Zeit…

Was hält dich auf Dauer dabei? Was ermutigt dich, dranzubleiben? 

Wer anderen etwas geben will, muss selbst empfangen. Darum brauche ich immer wieder Begegnungen mit Jesus, die mir Kraft geben, aber auch Durchblick und Liebe. Stille, Gebet und das Lesen in der Bibel sind mir dabei eine große Hilfe. Immer wieder sind es Verse aus der Bibel, die mich in Phasen der Entmutigung berühren und zum Weitermachen ermutigen. Doch ich brauche die Begegnung mit Menschen, die mich inspirieren und von denen positive Energie ausgeht. Dazu gehört auch das Gespräch mit Freunden oder in der Supervision. Das sind dann eher die Momente, wo ich vor anderen ganz ehrlich werden kann. Beides, die Begegnung mit Gott und Menschen, kann spontan und überraschend geschehen, aber in der Regel muss ich sie planen, Freiräume schaffen, mir dafür Zeit nehmen. 

Kannst du ein Erlebnis aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erzählen, was dich besonders ermutigt hat?

Ganz am Anfang, so mit 16, in der schon erwähnten Jungschar wollte ich eine Gruppenstunde machen, in der ich die Jungs herausfordern wollte, eine Entscheidung für Jesus zu treffen. Ich hatte lange darauf hingearbeitet und auch die Stunde akribisch geplant. Doch an dem Tag waren die Jungs schräg drauf, wie das halt manchmal so ist. Sie haben nur geblödelt und gestört. Nicht einmal bewährte Spiele funktionierten, weil sie keinen Bock hatten, von der Andacht ganz zu schweigen. Total genervt sagte ich dann am Ende: „Wenn jemand von euch mit Jesus leben möchte, kann er noch hier bleiben. Und jetzt haut ab.“ Ich war fertig mit den Nerven und wollte keinen mehr sehen. Aber zwei Jungs blieben sitzen, die ich anfuhr: „Was macht ihr denn noch da?“ Etwas verlegen antwortete einer: „Du hast doch gesagt, wir sollen bleiben, wenn  wir mit Jesus leben wollen…“ Der andere nickte. Jau, und dann haben wir geredet und gebetet. Gott ist einfach größer und redet, wenn man es nicht erwartet. Er nutzt sogar verkorkste Gruppenstunden.

Was hat dich in deiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am meisten herausgefordert – und wie bist du damit umgegangen?

In allen Phasen meines Dienstes (ehrenamtlich, als Reisemensch, als Pastor) musste ich darum kämpfen, Zeit für einzelne Menschen haben und mit ihnen zu verbringen. Ich liebe coole Veranstaltungen und Programme, da geht der Einzelne schnell unter. Darum versuche ich bis heute schnell Namen von Menschen zu lernen und ihnen zuzuhören, was man mehr, mal weniger gelingt. Und ich habe in vielen unserer Gemeindeveranstaltungen gemeinsames Essen eingeführt, weil da Zeit für Gespräche ist, die nicht mit Programm gefüllt wird.

Was sind für dich die drei Hauptfaktoren für eine erfolgreiche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Neben Jesus und seinem Reden – Liebe zu ihnen, Zeit für sie und viel Essen mit ihnen …

Was kannst du Mitarbeitenden wärmstens empfehlen?

Nutzt Veranstaltungen und Seminare, die eure Verbände oder andere anbieten. Es geht nichts über die persönliche Begegnung  🙂

Vielen Dank dir für deine Antworten – und deinen Einsatz für Kinder und Jugendliche!
Und weiter GUTEN APPETIT!

Dieser Artikel erschien zuerst in der Jugendleitermail, die 2020 mit Mr. Jugendarbeit fusioniert ist.

Die Jugendleitermail war eine Initiative von Stephan Münch »Lebenstraum – Jahr der Orientierung« und Heiko Metz »Evangelische Hochschule TABOR«, um Jugendleiter zu unterstützen. In über 500 Jugendleitermails teilten sie Impulse, motivierende Gedanken, inspirierende Ideen und geistliche Ermutigungen.

  8. Januar 2020   Interview Jugendleitermail

Heiko war Jugendpastor, Landesreferent für die Arbeit mit Kindern und hat eine Kinderfreizeiteinrichtung für benachteiligte Kinder in einer deutschen Großstadt geleitet. Er engagiert sich bei Compassion als Gemeindereferent und ist Lehrbeauftragte...

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