Last of us Part II als moderne Erzählung der Themen unserer Zeit

*Disclaimer: Ich gehe davon aus, dass du das Spiel kennst oder selbst gespielt hast. Natürlich spoilere ich in diesem Artikel. Falls du dir Infos zum Spiel holen willst, findest du ein Review hier:

Noch nie habe ich so lange auf das Release eines Spieletitels gewartet. Sieben Jahre nach Part I erscheint endlich Last of us Part II. Der erste Teil hat mich davon überzeugt, eine Playstation zu kaufen obwohl ich eigentlich immer Team XBOX war. Aber das Entwicklerteam von Naughty Dog hat mich dann doch zu einem Fanboy gemacht. Und was soll ich sagen: Last of us Part II oder »tlou2« hat meine Erwartungen übertroffen. Nicht nur grafisch sieht der Titel fantastisch auf der in die Jahre gekommen PS4 aus, auch inhaltlich hat mich dieser Titel für mehr als 30 Stunden an den Dualshock der ps4 gefesselt. Im Folgenden will ich euch mit in ein paar Gedanken nehmen, die ich mir während und nach dem Zocken gemacht habe.

Warum polarisiert tlou2 wie kein anderes Game?

Zuerst: Last of us Part 2 polarisiert. Einschlägige Gaming Magazine feiern den Titel in regelmäßigen Topwertungen, Gamer allerdings bewerten den Titel höchst unterschiedlich. Allein der frühe und brutale Tod des beliebten Protagonisten Joel sorgt für Entsetzen. Auch für mich. Ellie und ich als Charakter von Joel sind im ersten Teil stundenlang durch die postapokalyptische, verseuchte Welt gestolpert und haben um das eigene Überleben gekämpft. Da entstehen eine Bindung und Beziehung zu den Charakteren. Joel ist tot. Und jetzt?

Erst Rache dann Verstehen als Hauptmotive des Spiels

Hier setzt das Spiel zu seiner erzählerischen Leistung an: Ellie will den Tod ihres Mentors, Stiefvaters und Vorbilds rächen. Und auch ich kann ein Stück weit die Fassungslosigkeit, Wut und den Hass auf Abby und ihre Bande nachvollziehen. Im Laufe des Spiels lasse ich diesen Emotionen freien Raum, in dem ich Zombies töte und mich an allen Verbündeten von Abby räche. Doch nach einigen Stunden werde ich gezwungen die Geschichte aus Sicht von Abby zu spielen. Das Spiel verlangt von mir, dass ich den Charakter der Person spiele, die ich eigentlich töten will. Ein unheimlich emotionaler Story-Twist, der in den Reviews der Gamer für Frust sorgt.

Was können Videospiele besser als Serien oder Bücher?

Erzählerisch ist das aber ganz großes Kino: Das Spiel schafft etwas, das keine Serie oder Buch erreichen kann: Das Schlüpfen in die Haut des eigenen Feindes. Mir werden Hintergründe präsentiert, Personen und ihre Geschichten vorgeführt und ich werde herausgefordert mir über mein Handeln Gedanken zu machen. Nicht immer, aber immer wieder an wichtigen Wendepunkten der Story. So unwohl und ertappt habe ich mich selten in einer Story gefühlt. Und genau das ist es, was Last of us Part II so einzigartig am Triple-A Spielehimmel macht. 

Generell können Videospiele heute grandiose Erzählstränge aufbauen und bieten durch ihr Charakterdesign uns Gamern die Möglichkeit, in neue Rollen zu schlüpfen und uns mit Charakteren zu identifizieren. Deshalb sind Videospiele durch die Generationen so beliebt: Sie bieten einen Rahmen des Ausprobierens, der Neugier auf andere Charaktere und lassen uns von fremden Welten träumen.

Neil Druckmann, der Schöpfer der Story hinter The Last of us Part II , bringt auch seine eigene persönliche Geschichte und Herkunft mit ein. Fast schon nebensächlich ist der Ausflug in die Synagoge oder „Das Haus mit der Kuppel“ in Seattle. Hier wird nicht nur in kleinen Ausschnitten zwischen Ellie und Dina ein Dialog über das Judentum gesponnen, sondern auch nebenbei darüber philosophiert, ob und wie beten helfen kann.

Exzessive Gewalt wie bei kaum einem anderen Titel

Ein weiterer Punkt, der für mich fertig gemacht hat, waren die teilweise exzessiven Gewaltdarstellungen im Spiel, die auch vor Hunden nicht Halt machen. Für mich nur schwer erträglich, der eigentlich mit Titeln wie das exklusive „Ghost of Tsushima“ schon an eindrückliche Bilder gewöhnt ist. Aber auch das ist Teil des Spielkonzeptes: Das Überschreiten einer noch erträglichen Grenze.

Liebe in der Postapokalypse?

Der aber für mich Story technisch gesehene wichtigste Aspekt ist die Erzählung der queeren Liebesbeziehung zwischen Ellie und Dina. In Tagebucheinträgen und Recaps wird behutsam diese Beziehung erzählt und nimmt mich als Spieler in alle Höhen und Tiefen mit hinein. Noch nie hat mich ein Spiel emotional so sehr berührt, wie die Geschichte zwischen den beiden. Natürlich erzählen auch andere Spieleserien wie „Life is strange“ den Weg des Erwachsenwerden und der Beziehungsfähigkeit. Aber hier nehme ich den beiden ihre Konflikte, das behaupten gegen andere und den täglichen Kampf ums Überleben sofort ab.

Welche Learnings habe ich für die Jugendarbeit?

**Hass und Perspektivwechsel**

Jesus fordert uns heraus unsere Feinde zu lieben. Wenn, wie in Ellies Fall, die Feinde deine dir nächste Person umgebracht haben, wird das umso schwerer. Nach Stunden des Kampfes den Ellie gegen Abby führt und sich selbst dabei verliert und alles aufs Spiel setzt, was ihr wichtig ist, lässt sie Abby am Ende gehen.

Wie können wir unseren Hass überwinden und gehen lassen? Wo gibt es Unversöhnliches, dem wir uns noch stellen müssen?

Welche Perspektive muss ich einnehmen, um mein Gegenüber zu verstehen?

**Queere Liebesbeziehung **

Ellie und Dina lieben sich. Aber ihr Umfeld und äußeren Umstände machen es extrem schwer. An dieser Stelle kann man natürlich über queere Liebesbeziehungen in der christlichen Gemeinde diskutieren. Ein aktuelles Buch aus der Sicht des christlichen Psychiaters Martin Grabe gibt gute Einblicke in das heiße Thema »Homosexualität und christlicher Glaube«.

Aber grundsätzlich stellen sich die Fragen:

Wie können Menschen heute eine gute Beziehung leben? Wie kannst du Menschen in ihrer Beziehungsfähigkeit unterstützen?

**Gewalt **

Die Gewaltdarstellungen im Spiel sind extrem. Frage deine Jugendlichen, wie sie generell zu Gewalt in Videogames stehen. Was überwiegt bei euch? Egoshooter oder eher Causalgames á la „Die Sims“

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