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[Jugendleitermail 268] In den Slums

Hi!

Ich wünsch dir erstmal ein gutes und gesegnetes Jahr 2012. Inzwischen geht die Jugendleitermail in das sechste Jahr. Danke auch an dich, dass du die JLM abonniert hast. Jeder Leser ist ein Ansporn für mich, diese Mail weiterhin zu schreiben.

Im Weihnachtsurlaub hab ich ein Buch gelesen, das mich nachhaltig beschäftigt. Christine und Christian Schneider haben viele Jahre in den Slums von Manila mitten unter den Ärmsten der Armen gelebt. Und was sie dort erlebten – davon will ich heute erzählen.

Ich wünsche dir, dass du dich von Gott herausfordern lässt.
Vielleicht gerade in diesem Jahr.

Gottes Segen dir!
Stephan

1. Ein Wort zum Nachdenken

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!
Matthäus 25,40

2. In den Slums

„Vier Jahre wohnte ich alleine in den Slums, neun Jahre zusammen mit meiner Familie. Hautnah begegnete ich dort Elend und Not, Schönheit und Lebensfreude. Vor allem jedoch traf ich Menschen, deren Gastfreundschaft, Überlebenswille und Glaube mich verändert haben.“
So schreibt es Christian Schneider in dem Buch „Himmel und Straßenstaub“, das ich um Weihnachten herum gelesen habe.

Christian wohnt in den ersten Jahren mit insgesamt 7 Personen, zwei Hunden und fünf Tauben in einer 5×5 qm großen Hütte. Mit einem leeren Reissack ist seine Schlafecke abgetrennt. Das WC für die ganze Familie ist ein Keramiksiphon, über dem man sein Geschäft in Kauerstellung erledigt. Ein gefüllter Wassereimer und eine leere Konservendose vervollständigt das Ganze zum Duschraum.

Zwischen Müllbergen und Wellblechhütten lernt er zunächst die Sprache, besucht Menschen, begegnet unglaublichem Elend. Bevor er Hilfsprogramme startet, versucht er ein Jahr lang die Sprache, die Kultur und die Menschen kennen- und lieben zu lernen. Aber es fällt ihm schwer, denn unterernährte und todkranke Kinder, die den nächsten Tag vielleicht nicht erleben werden, sind in vielen Hütten anzutreffen. Zehntausende Männer und Frauen werden in den Slums zusammengepfercht, die es niemals in ihrem Leben aus diesem Elend schaffen werden.

Und so stößt er auch immer wieder an seine Grenzen.
„Erst letzte Woche waren zwei Kleinkinder in nächster Nachbarschaft gestorben. Einer der verarmten Väter hatte eine kleine Holzkiste gebastelt, neben dem Friedhof ein Erdloch gegraben und das Kind dort beerdigt. Für einen Platz am Friedhof, wo Verstorbene nach philippinischem Brauch eingemauert werden, fehlte ihnen das Geld. Die meisten Hinterbliebenen können auch keinen Priester bezahlen. Manchmal, wenn ich in der Nacht allein bin, schreie ich Gott an. Oft bleibt die Antwort aus, so wie diese Woche.“

Christian erlebt aber auch hoffnungsvolle Dinge, die ihn staunen lassen über das, was Gott tun kann:
„Ich habe einen Text aus der Bibel vorbereitet und erzähle diesen jungen vertriebenen Slumbewohnern [die auf einem Ausflug für Jugendliche sind], dass sie lebendige Steine seien, mit denen Gott ein Haus baue, damit er darin wohnen könne: ‚Jeder von euch zählt, jeder ist wichtig, jeder ist wertvoll.‘ Plötzlich beginnt einer laut zu weinen. Eine halbe Minute später weinen fast alle Jungs und Mädchen hemmungslos. Das kommt nun völlig unerwartet. Es kommt einem so vor, als ob ein Staudamm gebrochen sei und sich eine gewaltige Flut an Schmerz, Frustration und Elend ergießt. Pepe (der Filipino-Leiter) und ich heulen auch los. Dann legen wir einem nach dem anderen die Arme um die Schultern, beten und segnen sie.
Es dauert einige Zeit, bis die Flut verebbt. Als ich mich hinlege, habe ich jeglichen Zeitbegriff verloren. Ich mag gar nicht einschlafen, möchte diesen heiligen, befreienden Moment noch ein wenig festhalten. Gott ist da.“

Aus der jahrelangen Arbeit von Christian und Christiane erwächst das Hilfswerk ONESIMO (www.onesimo.ch), das sich z. B. um Jugendliche bemüht, damit sie von Drogen wegkommen, eine Existenz aufbauen können, etc.
Inzwischen wohnt Familie Schneider wieder in der Schweiz, um ihren Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Aber noch immer brennt diese Leidenschaft in ihnen für die Slumbewohner von Manila.

Ich habe mich gefragt:
Was bewegt die beiden aus der reichen und gesicherten Schweiz FREIWILLIG in ein Slum zu ziehen – mitten unter die Ärmsten der Armen? Was bewegt dieses Ehepaar, ihre gesicherte Existenz aufzugeben und buchstäblich hautnah den Alltag mit den Filipinos in den Slums zu teilen?

Das hat mich wirklich ins Nachdenken gebracht.

Wie viel bin ich bereit, für Jesus aufzugeben? Wie viel Sicherheit würde ich aufgeben, um den Menschen zu dienen, die Gott mir aufs Herz legt?
Ich hab schon oft gebetet: „Herr Jesus, nimm mein Leben. Es gehört dir. Ich gebe es dir ganz und gar!“ Aber wäre ich auch bereit, Wege zu gehen, die wirklich etwas kosten?

Christine und Christian Schneider haben mich herausgefordert, weiter zu denken. Mich selbst zu prüfen. Und ich hoffe, dass ich bereit bin, wenn Gott zu mir sagt: „Geh los!“
Mal schauen, wohin er mich führt.

3. Tipp für die Praxis

Wie kannst du oder deine Gruppe praktisch helfen, um die Ärmsten der Armen zu unterstützen?

Wir als Familie unterstützen über die Sozialmissionarische Arbeit des EC-Deutschland ein Kind in Indien, damit es eine gute Schulbildung bekommt. Ich kenne einige Jugendkreise, die auch Patenkinder in Indien haben. Mehr unter www.ec-jugend.de/sma

Auch Onesimo kann man unterstützen. Mehr unter www.onesimo.ch

4. Echt witzig

„Hast Du gehört, dass Dagmar von einer zwanzig Meter hohen Leiter gefallen ist?“
„Au weia, ist sie schwer verletzt?“
„Nein, zum Glück nicht. Sie war erst bei der dritten Stufe angelangt.“

.


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Unter http://www.jugendleiternetz.de findest du alle bisherigen Jugendleitermails – Du kannst auch nach Stichworten suchen mit unserer Suchfunktion.
Viel Spaß beim Stöbern!
Stephan Münch – EC-Bayern

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