Der Clubhouse Guide für Jugendarbeit

Der Clubhouse Guide für Jugendarbeit

Dieser Artikel wurde von Christian Grass, Daniel Oesterle und Andy Fronius verfasst.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Clubhouse?

Stelle dir vor, du schlenderst durch ein Kongresszentrum voller Räume mit Expertentalks, in die du jederzeit reinhören und sogar mitdiskutieren kannst. Vergiss den Terminplaner. Begib dich einfach spontan in einen Clubhouse Talk. – Das ist die einladungsbasierte App Clubhouse. Man könnte es eine Art »Live-Podcasting« oder »Instant-Voice-Social-Network« nennen. Momentan hat die App eine Altersbeschränkung von 17+.

  • Es bietet die Möglichkeit, sich mit Fachleuten, auch außerhalb deiner Branche oder Nische, zu verbinden und zu vernetzen.
  • Die Social-Media-Algorithmen, die die für andere Plattformen typischen »Echokammern« erzeugen, werden hier durch spontane Räume ersetzt, in denen Echtzeit-Unterhaltungen zu einer Vielzahl von Themen geführt werden.
  • Der Fokus liegt auf anregenden Gesprächen, bei denen man etwas dazulernen kann, und nicht auf produzierten Inhalten.
  • Es ist leider aktuell nur iOS-Usern vorbehalten und man kommt nur über eine sehr rare Einladung in das Netzwerk (was durchaus beabsichtigt ist). Trotzdem wird jedem, der es betritt, sofort klar: Hier ist etwas wirklich Neues entstanden, das Potenzial hat. Nicht nur eine weitere Kopie von WhatsApp oder Twitter.
Der Clubhouse Guide für Jugendarbeit
Der Fokus liegt auf anregenden Gesprächen, bei denen man etwas dazulernen kann, und nicht auf produzierten Inhalten.

Alles, was du über Clubhouse, die App, wissen musst

Man kann dort schnell einen ausschließlich audiobasierten Talk mit wildfremden Menschen auf der ganzen Welt starten.

Dabei werden die Anwesenden im Raum in Diskutierende und Zuhörer »getrennt«. Das Ganze läuft vor allem über persönliche Beziehungen und den Gedanken »den kenn ich, da geh ich mal hin«. Auch Prominente und Experten sind hier plötzlich zu Greifen nah. Es findet alles rein über Ton statt und fühlt sich ein an wie eine Telefonkonferenz mit ein paar Freunden. 

Hype um exklusive Social-Media-App: Warum sie einen Nerv trifft

Der Clubhouse Guide für Jugendarbeit
Viele Promis und Influencer nutzen Clubhouse

Einerseits nutzen viele Promis und Influencer Clubhouse, aber wahrscheinlich passt sie genau deswegen so gut in die aktuelle Corona-Zeit: Viele haben die Videokonferenzen satt und möchten nach 6 Stunden Arbeit vor dem PC nicht noch mehr auf ein Display schauen. Sich auf der Tonspur mit fünf Leuten austauschen oder einfach nur bei einem Thema zuhören – das geht. Spannend sind geführte Diskussionen zu einem Thema, bei dem etwa 10 Leute diskutieren und 200 hören. Eine Art interaktiver Konferenzbesuch, bei dem »nur« hört, und nebenbei noch etwas essen oder einfach spazieren gehen kann.

»Fear Of Missing Out« nicht unterschätzen

Der Social-Media-Hype um Clubhouse, indem die Eliten zurzeit noch unter sich sind, ist zur Zeit sehr stark. Bei vielen Nutzern tritt das FOMO Phänomen auf, bei dem man ständig Angst hat etwas zu verpassen. Bereits Facebook hatte in den ersten Tagen seines Starts einen Hype ausgelöst, der Menschen regelrecht in dem Netzwerk gefangen hielt. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Überraschung, ein interessanter Kontakt und Talk den man nicht verpassen wollte. 

Clubhouse ist neu, interessant und hat das Potenzial äußerst relevant zu werden. Vor allem deshalb ist ein gesunder und disziplinierter Umgang mit diesem neuen Netzwerk wichtig.  

Wie solltest du Clubhouse für Jugendarbeit nutzen?

Clubhouse hat das Zeug zum Mega-Trend. Allerdings ist Clubhouse bis jetzt eher ein Treffpunkt von jungen Erwachsenen, Influencern, Berufstätigen und Freelancern. Viele Expertenrunden drehen sich aktuell um Politik, Marketing und Selbstoptimierung. Allerdings gibt es auch interessante Talks zu geistlichen Themen wie christliche Morgenroutine oder ein Austausch über Erlebnisse mit Gott. 

Clubhouse ist noch exklusiv und es lässt sich aktuell nur schwer abschätzen, wie es bei jüngeren Zielgruppen ankommt, zumal sich die App bisher gezielt an (junge) Erwachsene richtet. TikTok zum Beispiel ist weniger öffentlich und anonymer als Clubhouse. Jeder sieht bei Clubhouse dein Profil, in welchem Raum du bist und wann du zuletzt online gewesen bist. Das kann für all diejenigen abschreckend sein, die sich gerne anonym auf Plattformen bewegen wollen. Bedenke auch das mit jeder neuen Plattform auf der du dich mit deinen Jugendlichen vernetzt, immer nur einen Teil deines Jugendkreises abgebildet wird. Gehe also dorthin, wo die meisten deiner Teens und Jugendlichen sind. Ein Phänomen, das wir bei der Generation Z sehen (also derer, die nach 2000 geboren wurden) ist die verstärkte Suche nach eigenen »Peergroups«. Hier zählen nicht hunderte von Online-Kontakten, sondern ein paar wenige Menschen, auf die aber definitiv Verlass ist. Daher überzeugt hier vor allem die persönliche Beziehung und das ehrliche Interesse. 

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Clubhouse hat das Zeug zum Mega-Trend. Allerdings ist Clubhouse bis jetzt eher ein Treffpunkt von jungen Erwachsenen, Influencern, Berufstätigen und Freelancern.

Clubhouse: 7 Tipps für Jugendleiter, Lehrer und Eltern

  1. Sind deine Jugendlichen oder jungen Erwachsenen überhaupt auf Clubhouse? Wenn nicht, dann suche sie auf den Plattformen, die sie bereits nutzen. In der aufsuchenden digitalen Jugendarbeit empfiehlt es sich für Jugendleiter dorthin zu gehen, wo junge Menschen sich bereits aufhalten, wie etwa Discord, Instagram, WhatsApp und andere Social Messenger, die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen.
  2. Denke dran das Clubhouse immer noch sehr exklusiv und bisher nur für iOS Nutzer zugänglich ist. Außerdem ist die App erst ab 17 Jahren freigegeben. Wir raten Jugendgruppen, darauf zu warten, bis Clubhouse ebenfalls für Android-Geräte verfügbar und ohne »Invites« zugänglich ist.
  3. Erfolgreiche Formate sind regelmäßige Talks über Themen die euch gemeinsam interessieren. »Best Practice«-Beispiele sind tägliche oder wöchentliche Talks, die entweder zu Beginn des Tages oder abends stattfinden. Dort könnt ihr euch austauschen, einen Input hören oder eine Liturgie beten.
  4. Ein rein audiobasiertes Netzwerk braucht gute Inhalte, sonst wird es schnell langweilig. Überlege dir witzige oder unterhaltsame Elemente und relevante Themen, bei denen deine Jugendlichen gerne zuhören und auch partizipieren.
  5. Lege fest wie ihr miteinander sprechen wollt und nutze deine Rolle als Moderator um für ausgeglichene Redeanteile und angemessene Sprache zu sorgen.
  6. Vernetze dich über Clubhouse mit anderen Jugendleiterinnen und -leitern. Suche dir gute Talks, interessante Räume oder folge Menschen, die dich inspirieren. 
  7. Vorsicht beim Datenschutz. Die App ist für öffentliche Träger und Vereine ungeeignet, da aggressiv auf Kontaktdaten zugegriffen wird.

Experten warnen vor der App

Wie steht es um den Datenschutz bei Clubhouse? Die App verstoße gegen europäische Regeln, sagte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. »Die gesamte Datenschutzarchitektur der App Clubhouse zeigt, dass der Dienst offenbar zu schnell gewachsen ist und den Anforderungen der DSGVO nicht Rechnung trägt«, warnte Caspar. Daher verbieten auch viele öffentliche Träger und Vereine die Nutzung der App in ihrer Arbeit.

Hier bekommst du deinen Clubhouse-Invite

Während unserer Recherchen sind wir einigen Teilnehmern begegnet, die für ihren Invite bis zu 50 € bezahlt haben. Das muss nicht sein. Solltest du noch eine Einladung benötigen, kannst du dich etwa im Clubhouse-Invite-Netzwerk »Christen auf Clubhouse« melden. 

Wir freuen uns, über deine Erfahrungen und Best Practices zu dem Thema. Wie nutzt du Clubhouse gewinnbringend? Teile deine Erfahrungen in unserer Facebook-Gruppe für Jugendleiter.

Foto von William Krause auf Unsplash

Tags: 🧑‍💻 Apps, 👋 Social Media, 💡 Wissen

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