Warum die Kirche in Gefahr steht, junge Menschen durch Passivität beim Klimaschutz zu verlieren

Warum die Kirche in Gefahr steht, junge Menschen durch Passivität beim Klimaschutz zu verlieren

Dieser Artikel wurde von Martin Saunders verfasst und zuerst von unseren Freunden bei youthscape.co.uk veröffentlicht, die die christliche Jugendarbeit in Großbritannien fördern. Deutsche Version von Olivia Felber mit Esther Penner und Daniel Oesterle.

Im Jahr 2020 befragten We Are Tearfund und Youthscape 630 Christen im Alter von 14-19 Jahren aus ganz Großbritannien. Der »Burning Down the House«-Bericht gibt uns ganz neue Einblicke darin, wie Teenager das Klima, die Kirche und ihren Glauben sehen. Befragt wurden »aktive Christen«. 92% gaben an, mindestens einmal pro Woche an einem Gottesdienst teilzunehmen und 84% sagten, ihr Glaube sei ihnen wichtig oder sehr wichtig. Außerdem haben wir vier Online-Fokusgruppen mit weiteren 23 16- bis 23-Jährigen durchgeführt und dabei insbesondere die Erfahrungen von Klimaaktivist:innen und jungen schwarzen Christ:innen untersucht.

Folgendes wurde dabei herausgefunden:

Inhaltsverzeichnis

Durch den Glauben bewegt

Die befragten christlichen Teenager äußerten sich besorgt über das Klima und sind der Überzeugung, dass das Aktivwerden in dieser Sache eine Frage des Glaubens ist. 

  • 92% der Befragten gaben an, dass sie »besorgt« oder »etwas besorgt« über den Klimawandel sind.
  • 98% haben Freunde, die sich um den Klimawandel Gedanken machen
  • 86% sagten »Mein Glaube lehrt mich, dass ich mich gegen Ungerechtigkeit einsetzen soll«.
  • 84% waren sich einig: »Es ist wichtig, dass Christen auf den Klimawandel reagieren«.

Auf die Frage »Welche Verbesserungen wünschst du dir für die Welt in zehn Jahren?« waren die drei Top-Antworten: 

  1. weniger Diskriminierung, 
  2. weniger Armut und 
  3. eine Verlangsamung des Klimawandels. 

Dabei stellten die jungen Leute eine Verbindung zwischen diesen Themen her.

Aber es ist nicht nur, dass ihnen die Umwelt am Herzen liegt – die Mehrheit sieht die Bekämpfung von Ungerechtigkeit und Klimawandel als einen wichtigen Teil ihres Glaubens. In unseren Fokusgruppen erzählten uns junge Menschen, wie ihr Glaube sie motiviert, sich für Veränderungen einzusetzen. Sie unternehmen bereits etwas gegen den Klimawandel, sei es durch Gebete, die Organisation von Schulstreiks, die Einführung von Umweltinitiativen innerhalb der Kirche oder die Änderung ihres eigenen Konsumverhaltens.

Jesus will jeden Teil unseres Lebens, es gibt nichts in unserem Leben, das wir Jesus nicht geben sollten. Wenn wir also im Supermarkt sind, hören wir nicht auf, Nachfolger von Jesus zu sein. Wenn wir die Nachrichten schauen, hören wir nicht auf… Christ zu werden betrifft das ganze Leben.

Junge Klimaaktivistin der Fokusgruppe

Diese jungen Menschen ergreifen bereits erste Maßnahmen, um auf die Bedrohungen für die Umwelt zu reagieren, und sie sind bereit, mehr zu tun. Fast drei Viertel (72 %) haben zum Beispiel im letzten Jahr weniger Plastik verwendet.

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9 von 10 befragten christlichen Teenagern sind besorgt über den Klimawandel.

1 von 10 ist der Meinung, dass ihre Kirche genug unternimmt.

Eine Lücke zwischen Wissen und Handeln

63% gaben an, dass ihre Gemeindeleitung als Reaktion auf den Klimawandel praktische Schritte unternommen hat. Gleichzeitig zeigte sich  eine erhebliche Lücke zwischen dem Grad ihrer Besorgnis und dem Erleben konkreter Maßnahmen zum Klimaschutz im kirchlichen Kontext. So sind  9 von 10 der Befragten über den Klimawandel besorgt, aber nur 1 von 10 denkt, dass ihre Kirche genug dagegen tut. Die Hälfte (51%) hatte noch nie einen Gemeinde- oder Jugendleiter, der den Klimawandel direkt thematisierte, weder im Einzelgespräch noch in der Jugendgruppe oder in Kleingruppen.

  • Ich habe noch nie am Sonntag eine Predigt über den Klimawandel gehört – 66%
  • Meine Gemeindeleiter sehen den Klimawandel als etwas, um das sie sich kümmern sollten – 37%
  • Meine Kirche tut genug für das Klima – 9%

Dieses gemischte Bild könnte erklären, warum nur ein Drittel der Jugendlichen (37%) zuversichtlich ist, dass ihre Gemeindeleiter den Klimawandel ernst nehmen.

Das Gefühl, dass der Klimawandel keine hohe Priorität hat, hinterlässt bei einigen jungen Menschen eine Enttäuschung über die Kirche. Viele der jungen Christen in unseren Fokusgruppen sprachen davon, dass die Kirche in Sachen sozialer Gerechtigkeit »auf der Stelle tritt«. Sie ist zwar bereit, die Folgen sozialer Probleme anzugehen, aber nicht die zugrunde liegenden Ursachen. Dies hat dazu geführt, dass einige Personen überlegen, einfach die Kirche zu verlassen.

Ich schwanke immer hin und her zwischen dem Wunsch, die Kirche einfach als verlorene Sache aufzugeben, die zu groß und festgefahren ist, um wirklich sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, und dem verzweifelten Wunsch, die Kirche davon zu überzeugen, ihre enorme Macht und ihren Einfluss einzusetzen, um die Welt zu verbessern.

—Junger Klimaaktivist der Fokusgruppe

Christliche Teenager wollen, dass die Kirche mit größerer Dringlichkeit handelt und sie beim Klimaschutz unterstützt. Wenn die Kirche nicht dem Beispiel dieser jungen Leute folgt, wird sie sie womöglich gänzlich verlieren. Alle Aussagen in diesem Video sind direkte Zitate der befragten jungen Menschen.

Jugendliche wollen Vorbilder

Christliche Teenager wollen darin angeleitet werden, werden, wie sie praktisch etwas bewirken können. Sie wünschen sich echte Möglichkeiten aktiv zu werden. Praktisches Handeln ist ihnen wichtiger als Lektionen über den Klimawandel, Gebete oder sogar emotionale Unterstützung bei Klimaangst – obwohl viele auch diese Formen der Unterstützung begrüßen.

Climateaction
Wie können Erwachsene in deiner Kirche dir am meisten dabei helfen, auf den Klimawandel zu reagieren?
Die Teilnehmer:innen wurden gebeten, diese nach Priorität zu ordnen.
Mir zeigen, wie ich praktisch etwas in der Welt bewirken kann
Mir die Möglichkeiten geben, etwas zu bewirken
Mir helfend, den Klimawandel zu verstehen
Mit mir beten
Mir Hoffnung für die Zukunft der Welt geben
Mir helfen, die Angst über die Zukunft der Welt zu überwinden.

Zum Schluss fragten wir die jungen Leute, was sie der Kirche über den Klimawandel sagen wollen. Die 230 Teenager, die eine Antwort auf die Frage gaben, hatten drei große Botschaften an die Kirche.

1. Wir brauchen Veränderung

»Wir müssen jetzt etwas tun! Wir haben die Möglichkeit und einen allmächtigen Gott, der hinter uns steht, warum haben wir also noch keine Veränderung geschafft?«

2. Klimaaktivismus ist grundlegend für unseren Glauben

»Wir sind aufgerufen, unseren Planeten gut zu verwalten und unseren Nächsten zu lieben, und diese beiden Dinge sind absolut miteinander verbunden und gottgefällige Lebensweisen! Das Ausleben dieser Gebote kann eine Art der Anbetung Gottes sein. In diesem Bereich gibt es so viel Potenzial für wirklich spannende Predigten!«

3. Die Kirche sollte vorangehen

»Die Kirche sollte beim Kampf gegen den Klimawandel unbedingt an vorderster Front stehen, denn die Welt ist Gottes Schöpfung und wir haben eine Fürsorgepflicht ihr gegenüber.«

Was nun?

Wir sind alle irgendwo auf einem Weg im Umgang mit der Herausforderung des Klimawandels. Diese Forschungsarbeit könnte für einige von uns eine Ermutigung sein, weiterzumachen. Für andere könnte es eine Ermutigung sein, sich jenen jungen Menschen anzuschließen, die schon weiter auf dem Weg sind als wir.

  1. Nimm dir die Zeit, um die Forschungsarbeit selbst zu lesen. Du kannst sie hier downloaden (auf Englisch).
  2. Schau dir das Launch Video an (englisch). 
  3. Geh auf die Webseite von »We Are Tearfund«. Basierend auf den Studienergebnissen, findest du dort eine Zusammenstellung von hilfreichen Ressourcen, Ideen und Werkzeugen.
  4. Hol dir eine Ausgabe unserer neuesten Ressource Shuffle: Green Edition (englisch). In 42 Tagen werden junge Menschen durch 42 Herausforderungen mehr über die Auswirkungen der Klimakrise erfahren und entdecken, wie sie ein nachhaltiges Leben beginnen können.

Wir freuen uns, über deine Tipps zum Thema. Teile deine Erfahrungen in unserer Facebook-Gruppe für Jugendleiter.

Schlagwörter: 🔬 Research, 🕊️ Glaube

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