Gesunde Dating-Ratschläge, die ich als junger Mensch gebraucht hätte… und mit über 30 immer noch brauche

Gesunde Dating-Ratschläge, die ich als junger Mensch gebraucht hätte... und mit über 30 immer noch brauche

Welche Lebensweisheiten kann ein:e Jugendleiter:in Teenagern mitgeben, die mit Liebe, Sex und Beziehungsdramen zu kämpfen haben? Die Autorin Lauren Windle gibt uns ihre Top-Tipps.

von Lauren Windle

Inhaltsverzeichnis

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Freund erinnern. Er war 13 und ich war 14 (was damals etwas besonderes war). Er war so ein Skaterboy mit Grübchen und immer wenn ich irgendwo einen Hauch von Axe Africa rieche, denke ich an ihn. Ich habe ihn nicht wirklich geliebt, die Beziehung hat auch nur 3 Wochen gedauert, aber zumindest für ein paar Tage war ich erleichtert, weil meine Suche nach Liebe ein Ende gefunden hatte. Er war für mich »der Richtige«. 

Damals ahnte ich noch nicht, dass ich in den kommenden Jahren viele »Richtige« treffen sollte, die sich im Nachhinein als »die Falschen« entpuppt haben, doch ich sprang mit genau so viel Enthusiasmus in jede neue romantische Begegnung wie in die davor.

Nach Jamie mit seinen Grübchen wurde mir mein Herz noch zweimal gebrochen und ich musste noch viele Zurückweisungen ertragen. Ich selbst habe auch mehr als einem Jungen einen Korb gegeben und Beziehungen beendet. So ist der Lauf des Lebens. Wenn ich mir nun das Massaker meines frühen Liebeslebens anschaue, kann ich nicht anders als mich zu fragen, ob ich die Dinge mit etwas mehr Informationen besser hätte. Ich ging jeden Sonntag in den Gottesdienst und hatte auch den typischen frommen Vortrag über Beziehungen gehört — lass dich nur mit einem Christen ein und fasst euch nirgendwo an bis ihr verheiratet seid. 

Mit dieser Ausrüstung und der Gewissheit, dass ich viel reifer war als meine Altersgenossen, wagte ich mich in die Welt der Beziehungen. Aber Überraschung! Wie sich herausstellte, war ich ziemlich schlecht auf das vorbereitet, was mich noch erwartete. Darum teile ich jetzt mit dir die Ratschläge, die ich damals als Teenager gerne bekommen hätte:

1. Du bist mehr als dein Beziehungsstatus

Klingt offensichtlich. In der Theorie wissen wir das alle, oder? Falsch. 

Menschen müssen regelmäßig daran erinnert werden, vielleicht sogar täglich. Nur weil die Person, die in der Schule oder in der Kirche neben dir sitzt, sich gerade in einer Beziehung befindet, ist sie deshalb nicht hübscher, witziger oder begehrenswerter als du. Das ist keine Hierarchie und du bist nicht am unteren Ende. 

Dein Wert ist unschätzbar hoch, denn du bist königlich. Du bist die Tochter/der Sohn eines Königs und wer dich nicht dementsprechend behandelt, hat keinen Platz in deinem Leben. 

2. Achte auf Freundlichkeit

Die Freundlichen werden nicht die Letzten sein. Falls du jemals jemandem gesagt hast, er/sie sei zu nett für eine Beziehung mit dir, dann liegst du damit falsch. 

Freundlichkeit sollte geschätzt, gefördert, gestärkt und begehrt werden – gerade wenn es um die ersten Dates geht. 

Wenn es dir schwerfällt, jemanden attraktiv zu finden, der respektvoll, freundlich und emotional zugewandt ist, solltest du herausfinden, warum du denkst, du seist dieser wunderbaren Art der Aufmerksamkeit nicht würdig.  

Irgendwann wirst du erkennen, dass »auf Trab gehalten werden« nicht sexy, sondern unverschämt ist. Ich hoffe, du erkennst das schon heute, statt erst in deinen 30ern nach unzähligen Enttäuschungen.  

3. Du denkst Sex sei keine große Sache – ist er aber

Ich bin eine der seltenen christlichen Sprecherinnen, die sich hier für Schadensbegrenzung einsetzen. Ich sehe ein, dass es oft Quatsch ist, den Leuten zu sagen: »Habt einfach keinen Sex.«, oder »Lasst einfach die Finger von Drogen.«, wenn diese Dinge so sehr in unserer Kultur verankert sind. Darum bin ich auch immer wieder überrascht, wenn ich von katholischen Schulen für einen Vortrag eingeladen werde. Ich glaube zwar, dass wir alle besser dran wären, wenn wir rund um die Uhr unsere Keuschheitsgürtel und »Sag einfach nein«-Anstecker tragen würden, aber ich verstehe auch, dass das leider nicht praktikabel ist.

Als Jugendliche wurde mir viel über das Schlechte am Sex gesagt. Die Leute sagten, Sex sei, als würde man einen Toast mit Erdnussbutter und einen mit Marmelade zusammendrücken und danach versuchen, die Brote wieder auseinanderzuziehen, ohne dabei die Aufstriche zu vermischen. Ich dachte, das seien altbackene Vorstellungen der frommen Spaß-Polizei. Oder einfach »Jungfrauen«, die keine Ahnung davon haben, was ihnen entgeht. 

Dating wird dir viel mehr Freude bereiten, wenn du es als Chance siehst, die Beziehung zu einer Person zu vertiefen und mehr über sie herauszufinden – und mehr nicht. 

Was mir niemals jemand gesagt hat, war:

»Hab Sex, wenn du willst. Ich werde dich nicht aufhalten. Aber du solltest wissen, dass der Schmerz unbeschreiblich ist, wenn dich (am nächsten Morgen oder nach ein paar Wochen/Monaten) jemand verlässt, mit dem du so intim verbunden warst.«

»Du solltest wissen, dass du dir einreden wirst, dass es dir gut geht, aber du wirst langsam einen Teil von dir zerstören, von dem du nicht einmal merkst, dass du ihn verlierst.«

»Du solltest wissen, dass du immer verzweifelter an diesen Momenten der körperlichen Nähe festhalten wirst, weil du Liebe durch Sex ersetzt hast und nicht mehr weißt, wie du sie wieder an ihren rechtmäßigen Platz bringen kannst. Es wird sich anfühlen, als seist du ständig allein.«

»Du solltest wissen, dass dich das alles erst Jahre später treffen wird und dass es viel Denkarbeit, Gebet und Trauer brauchen wird, um das wieder aufzuarbeiten.«

Und das alles im Tausch gegen eine – wenn wir ehrlich sind – ohnehin unbeholfene, unerfahrene und irgendwie enttäuschende sexuelle Begegnung. Denn erst, wenn du eine Person wirklich gut kennst, verstehst, respektierst und dich voll auf sie einlässt, wirst du auch in der Lage sein, sie wirklich vollständig sexuell zufriedenzustellen (und sie dich).

4. Bleib gelassen

Nach so einem ernsten Punkt kommen wir jetzt wieder darauf zurück, dass Dating eigentlich eine unbeschwerte und erfreuliche Erfahrung sein sollte. Jedes Kaffeetrinken, zu dem du dich verabredest, sollte genau das sein – ein Kaffee-Date. Es ist so wichtig diesen Moment zu genießen und sich dabei nicht den Kopf zu zerbrechen, ob man diese Person heiraten wird oder was deine Freunde über sie denken werden. Dating wird dir viel mehr Freude bereiten, wenn du es als Chance siehst, die Beziehung zu einer Person zu vertiefen und mehr über sie herauszufinden – mehr nicht.

Zu guter Letzt: Wenn du dich respektiert fühlst und dich respektvoll verhältst, bist du in einer guten Ausgangslage. Füge noch ein bisschen Minigolf und ein paar Flirt-Nachrichten hinzu, und du bist auf dem besten Weg zum Erfolg.  

Dieser Artikel wurde von Lauren Windle verfasst und zuerst von unseren Freunden bei youthscape.co.uk veröffentlicht, die die christliche Jugendarbeit in Großbritannien fördern. Deutsche Version von Mareike Siebeneich mit Olivia Felber und Daniel Oesterle.

Lauren Windle ist Journalistin, Autorin und Rednerin, die sich auf die Themen Glaube, Liebe und Sucht spezialisiert hat. Ihr erstes Sachbuch »Notes On Love: Being Single and Dating in a Marriage Obsessed Church« ist jetzt bei SPCK erhältlich. Du findest sie auf Instagram und Twitter unter  @_lauren_celeste.

Tags: 🧶 Beziehungen, ☕ Tipps, 🌻 Life

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