🕊️ Glaube

Ist Gott sauer auf mich?

Ist Gott sauer auf mich?

Ist Gott böse auf mich?

Inhaltsverzeichnis

Gott holt den Boxsack raus

Gott ist manchmal so richtig sauer! Du glaubst mir nicht? Lies es nach in Hosea Hosea 11,1-11. Nicht nur, dass er in diesen Versen hier vor sich hinschimpft, nein das tut er schon seit Kapitel 4 des Hoseabuches; die längste Schimpftirade Gottes über Israel.

Wenn man sich Gottes Schimpfliste näher anschaut, dann hat er auch allen Grund, so richtig sauer zu sein:

»Denn es ist keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Land, sondern Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhandgenommen, und eine Blutschuld folgt der anderen.«

Hosea 4,1-2

Sogar die Priester bilden keine Ausnahme. Im Gegenteil: sie sind die Allerschlimmsten:

»Sie nähren sich von den Sündopfern des Volkes und sind gierig nach seiner Schuld«

Hosea 4,8

Und Gott lässt den Propheten noch einen drauf setzen:

»Alsdann werden sie kommen mit ihren Schafen und Rindern, den HERRN zu suchen, aber ihn nicht finden; denn er hat sich von ihnen gewandt.«

Hosea 5,6

»Sie sollen vertilgt werden; denn sie sind abtrünnig geworden von mir.«

Hosea 7,13

Israel wendet sich von Gott ab, obwohl er sich so liebevoll um es gekümmert hat. Es wendet sich ab, obwohl Gott es aus Ägypten gerufen und durch die Wüste geführt hat. Wendet sich ab, obwohl Gott trotz aller Verfehlungen immer wieder gnädig war.

Ist Gott am Ende?!

Ist das nicht eine schier unglaubliche Sache, wie uns Gott da geschildert wird? Gott scheint am Ende zu sein. Am Ende seiner Hoffnungen, dass Israel sich ihm zuwendet; ihn liebt? Am Ende seiner Liebe? So wie vielleicht manche Eltern mit ihren Kindern die Geduld verlieren, wenn Enttäuschung, Ärger und Zorn stärker als alles andere sind? Oder so wie ein betrogener Ehepartner nach einem Ehebruch…

Darf man überhaupt so von Gott reden und denken? So menschlich? Sind Zorn, Wut und Rachegefühle nicht mindestens unmoralisch oder sogar unchristlich?

Gott scheint – Gott sei Dank – kein Moralist zu sein. Bei ihm gibt es laut dem Bibeltext diese Gefühle der Enttäuschung, des Zorns… Spannend ist nun zu beobachten, wie Gott mit seinen Gefühlen umgeht:

»Wie kann ich dich preisgeben?« —Hosea 11,8, fragt Gott sich selbst und stellt seine Gefühle damit auf die Probe. »Mein Herz ist eines andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt.« —Hosea 11,8

»Mein Herz, meine Barmherzigkeit wendet sich gegen meine Wut und Enttäuschung«, sagt Gott. Deshalb gebietet er seinem eigenen Zorn Einhalt. Denn – so die Begründung – »ich bin Gott und nicht ein Mensch und ich bin der Heilige unter dir und will nicht kommen, zu verheeren.« —Hosea 11,9. Er erinnert sich an seine Heiligkeit. Und daran, dass Liebe, Treue und Vergebung zu seinem Wesen gehören, nicht aber Gewalt, Bestrafung und Zerstörung. Bei Gott behalten Liebe und Erbarmen das letzte Wort.

Der Rest ist Geschichte

Hosea kündigt Israel das Gericht Gottes an. Nur ca. 20 Jahre nach dem Auftreten Hoseas wird Israel 722 v. Chr. von Assyrien unter Salmanassar V. erobert und in Teilen ins Exil geführt. Aber das ist nicht Gottes letztes Wort: 538 v. Chr. beginnt unter Kyros II. die Rückführung der Israeliten.

Ich mag den wütenden Gott, der trotzdem liebt

Ist es nicht unglaublich ermutigend, dass Gott einfach mal sauer ist? Dass Gott nicht den Tugendbold gibt und wir uns nicht aller zornigen Gefühle wegen schuldig fühlen müssen? Dass wir ehrlich mit uns sein können? Dass Gott nicht von uns erwartet, dass wir »göttlicher« sind, als er selbst?

Also darf ich wütend sein, wenn Kinder oder Frauen missbraucht werden. Ich darf enttäuscht sein aufgrund der Kinderarmut in unserem Land und weltweit. Ich darf am liebsten laut schreien und zuhauen wollen, wenn von Kriegen, Umweltverschmutzung, Armut, Vereinsamung und Klimawandel berichtet wird.

Wenn Gott »der Heilige unter dir« ist – mitten unter und in uns: dann passt es auch zu uns, Zorn und Rachegedanken in uns wahrzunehmen. Noch besser ist es, uns nicht davon leiten zu lassen, sondern Gottes Liebe zum Maßstab zu machen.

Wie kann das Gelingen, wenn selbst Gott mit sich ringen muss? Das Streben der Liebe Gottes ist so stark, dass Gott in Jesus selber Mensch wird. Er kommt als einer, der alles Recht, alle Macht und den nötigen Zorn hat um uns zu verurteilen. Aber gleichzeitig wünscht er sich nichts sehnlicher, als uns zu verzeihen und uns wieder in seine Familie aufzunehmen. In Jesus wendet sich Gottes Herz endgültig gegen seinen Zorn. Das, und nur das macht es auch für uns möglich, Zorn, Wut und Enttäuschung zwar zu empfinden, sich aber trotzdem – oder gerade deswegen – von Gottes Liebe bestimmen zu lassen. 

Ich denke, wir können davon ausgehen, dass Gott auch heute wütend und enttäuscht sein kann – wie damals. Wütend, wenn er missbrauchte Kinder und vergewaltigte Frauen sieht. Enttäuscht wegen der Kinderarmut. Kurz vorm Zuschlagen wegen Kriegen, Umweltverschmutzung, Armut, Vereinsamung, Klimawandel und mir, der nichts dagegen tut.

Was bedeutet es mich nicht von Zorn, Wut und Enttäuschung leiten zu lassen, sondern von Gottes Liebe? 

  • Würde ich dann als Christ aufstehen und mich solidarisch mit missbrauchten Kindern und Frauen zeigen? 
  • Würde ich mich dann aktiv gegen Kinderarmut einsetzen?
  • Würde ich dann für Gerechtigkeit eintreten, um Kriege zu verhindern?
  • Würde ich dann bei mir beginnen, Umweltverschmutzung zu unterbinden und Unternehmen fördern, die sich um die Umwelt bemühen?
  • Würde ich dann gegen Vereinsamung angehen und mein Leben wirklich mit Menschen teilen?
  • Würde der Klimawandel dann durch mich verlangsamt?

Wie würde mein Leben aussehen, wenn Zorn, Wut und Enttäuschung nicht die Oberhand hätten und mich lähmen würden?

Wie würde mein Leben aussehen, wenn Gottes Liebe, Treue und Vergebung bei mir das letzte Wort hätten? 

— Dein Heiko

PS: »Die Wutprobe« ist ein toller Film zu Thema, der sich komplett oder auch in Ausschnitten zur Untermalung des Themas eignet.

Tags: 🕊️ Glaube

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